Letzte News


Die kleine Weltstadt mit grossem Charme


Genf - das ist die Stadt des Calvinismus, die Welthauptstadt der Uhrenindustrie, die Stadt der Gärten und Parks, die Kulturstadt, die für ihre Gastronomie berühmte Stadt, der Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge.

Fabrice Müller

Genf hat einem seiner berühmten Gäste ein eigenes Museum gewidmet: Voltaire. Der französische Philosoph und Verfasser grosser Werke liess sich 1755 in Genf nieder und erwarb ein schönes Anwesen, das er restaurierte und "Les Délices" (deutsch: die Genüsse) taufte. Nachdem die Stadt Genf "Les Délices" 1929 erworben hatte, entstand aus dem Haus ab 1945 zuerst ein kleines Museum, bis 1952 das Institut und erweiterte Museum Voltaire ins Leben gerufen wurde. Über 20'000 Werke sowie eine grosse Anzahl an Bildern, Skulpturen und persönlicher Gegenstände geben Einblicke in das Leben Voltaires und die damalige Zeit.

Kathedrale St. Pierre
Wer Genf besucht, sollte sich unter anderem die Kathedrale St. Pierre mit ihrer archäologischen Ausgrabungsstätte nicht entgehen lassen. Der 1160 begonnene Bau wurde 1232 fertiggestellt. Das ursprünglich romanische Innengewölbe erhielt später einen gotischen Ausbau. Sehenswert sind der «Stuhl Calvins» und das geschnitzte Chorgestühl, das Grabmal und die Marmorstatue des Herzogs von Rohan. Eine Wendeltreppe mit 157 Stufen führt auf den Nordturm, der einen einzigartigen Rundblick über Stadt und Umgebung bietet. Das Glockenspiel zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Die Melodie ändert sich jeden Monat.

Pflanzen und Bäume aus der ganzen Welt
In der Nähe des Park de la Perle du Lac befinden sich das Konservatorium und der Botanische Garten mit aussergewöhnlichen Pflanzen und Bäumen aus der ganzen Welt, mit Wasserfällen und Teichen. Empfehlenswert sind auch die beiden Pärke Parc des Eaux-Vives und Parc La Grange besuchen. In Letzterem befinden sich die Überreste einer römischen Villa, ein altes Bauernhaus und eine Orangerie.

Weitere Informationen:
Genf Tourismus, Tel. 022 909 70 00, www.genevetourisme.ch

Ausflüge ins Hinterland
Genf gehört flächenmässig zu den kleinsten Kantonen der Schweiz, hat sich jedoch den ländlichen Charakter seines Hinterlandes mit seinen vielen Weinbergen, seinem Acker- und Weideland, seinen Wäldern, seinen Bächen und der Rhone bewahrt. Die einladenden, gut erhaltenen Dörfer, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, sind einen Besuch wert. Man erreicht sie leicht mit dem Auto, dem Bus oder auch dem Zug (Linie «La Plaine»). Von Anfang Mai bis Ende Oktober werden geführte Busausflüge angeboten.

Informationen:
Tel. 022 731 41 40, www.keytours.ch

------------------------------------------------------------------------------------------

Die Genfer Weihnachtsschmaus-Spezialität

Eingebettet in den sanften Hügeln der französischen Bergen Jura, Vuache, Salève und Voirons liegt der Kanton Genf. Er ist fast gänzlich von Frankreich umschlossen. Im Genfer Hinterland gedeiht der Wein hervorragend - aber auch das erste Gemüse mit geschützter Ursprungsbezeichnung "Cardon epineux genevois" - Kardy.

Ausserhalb des Kanton Genf kennt kaum jemand diese Gemüsepflanze. Kardy ist ein Gemüse mit Tradition und wird an Festtagen im Winterhalbjahr gegessen: am historischen Genfer Stadtfest "Fête d l'Escalade", an Weihnachten und Silvester. Aber was ist Kardy? Und warum wird es vor all em in unserem westlichsten Kanton angebaut?

Vorfahr der Artischocke
Kardy (lat. Cynara cardunculus) wird als die Urform der Artischocke bezeichnet. Ursprünglich stammt diese Pflanze aus dem Mittelmeerraum. In das Gebiet rund um Genf brachten ihn protestantische Hugenotten, welche sich sehr gut auf dem Gebiet des Gemüsebaus auskannten. Kardy wird heute noch althergebracht angebaut. Damit die Pflanze gedeiht, benötigt sie lockeren, nährstoffreichen Boden und verträgt keinen Frost. Das Gebiet um Genf liegt ideal. Der Unterschied zur Artischocke? Beim Kardy sind die Blattstiele die Delikatesse, bei der Artischocke werden die geschlossenen Blütenköpfe hoch geschätzt.

Stacheliges Gemüse
Die Pflanze wird bis 1.5 Meter hoch - essbar davon sind jedoch nur ca. 50 Zentimeter. Die Genfer Spezialität weist im Gegensatz zu anderen europäischen Arten Dornen auf. Geerntet wird ab Mitte Oktober. Bevor sie geschnitten werden, stülpt man eine Plastikfolie darüber, um den Kardy zu bleichen. Eine zweite Variante ist, dass man die Pflanze mit den Wurzeln in einen dunklen Keller bringt. Danach werden die Stängel gereinigt und zerkleinert. Durch die vielen spitzen Dornen ist diese Arbeit mühsame und schwierige. Handschuhe sind unbedingt empfehlenswert.

Nicht nur ein "antikes" Gemüse
Die Artischocke ist auch in der Naturheilkunde sehr geschätzt. Sei es um den Appetit anzuregen oder als Verdauungshilfe. Als Phytotherapie werden die Blätter eingesetzt. Kardy enthält ebenf all s diese beliebten und gesundheitsfördernden Bitterstoffe. Nach dem Rüsten und Zerkleinern der Karden werden sie direkt in Essigwasser einlegen um eine Verfärbung zu vermeiden. In Essig-Salzwasser ca. 15 - 20 Minuten vorkochen, faserige Haut abziehen und anschliessend nochmals ca. 30 Minuten gar kochen. Die Kardy mit geriebenem Sbrinz lagenweise in eine Gratinform streichen, mit Salz und Pfeffer würzen, ab in den Backofen. Bei 220°C ca. 20 Minuten überbacken und fertig ist der Weihnachtsschmaus.

Reise nach Genf um Kardy zu kaufen?
Leider gibt es keine "Cardon epineux genevois" zu kaufen ausserhalb des Kantons. In italienischen Spezialitätengeschäften oder auf Märkten kann man Kardy aus Spanien, Portugal oder Italien erstehen. Und wenn Sie doch mal in die Metropole an der Rhône fahren, können Sie sich mit eingemachten Kardy eindecken.

Noemi Koch-Cadosi
Hanna Aregger-Keller
Buona VITA


concept & design by CS Marketing GmbH