Halten Sie Ihr Gedächtnis fit
Wie war doch gleich wieder sein Name? Wann haben wir uns heute vereinbart? Kennen Sie das? – Gedächtnisschwund, Vergesslichkeit, Denkprobleme. So helfen Sie Ihrem Gedächtnis wieder auf die Sprünge.
Fabrice Müller
Der griechische Arzt Hippokrates stellte an Verwundeten aus den Perserkriegen fest, dass Schädigungen bestimmter Stellen des Gehirns mit dem Verlust ganzer Gehirnfunktionen zusammentreffen. Manchen Denkfunktionen kann man im Gehirn einen Ort zuweisen. Zu diesen Funktionszentren zählen etwa die Sprachzentren. Das Gehirn ist in zwei Teile geteilt, die jeweils verschiedene Funktionen übernehmen. Die linke Gehirnhälfte ist Sitz des Sprachzentrums und denkt in verdichteten, abstrahierten Inhalten, also Begriffen, Worten und Zahlen. Die rechte Gehirnhälfte dagegen denkt unmittelbar in sensorischen Inhalten, also etwa in Bildern. Sie denkt ganzheitlich und intuitiv. Hier befindet sich der Sitz der Fantasie; deshalb ist zum Beispiel Zeichnen eine typische Domäne der rechten Gehirnhälfte.
Linke und rechte Gehirnhälfte
Die Funktion des menschlichen Gehirns ist stark geprägt durch die Erfordernisse von Kultur und Erziehung, Geschlechterrolle und vielem mehr. Bei den meisten Menschen hat sich so eine starke Dominanz des begrifflichen Denkens entwickelt. Dies hat unter anderem zur Folge, dass unser Gehirn auch Probleme mit begrifflichen, linkshirnigem Denken zu lösen versucht, die eigentlich ureigenstes Betätigungsfeld der rechten Hemnisphäre wären. Wenn wir uns als etwas merken wollen, dann tun wir das wesentlich besser, wenn wir uns mehreren Eingangskanäle für das Gehirn bedienen. Zu einem begrifflichen Inhalt, den man sich merken will, gehören deshalb ebenso Bilder, Emotionen und vielleicht auch andere sensorische Eindrücke wie Gerüche oder sogar Temperaturempfinden. Bereits in der Antike hat sich kreatives, bildhaft-verknüpfendes Denken bewährt. Zunehmend werden diese Techniken nun auch in Schulen und in der Erwachsenenbildung gelehrt und gelernt.
Gehirnjogging
Ein gutes Gedächtnis ist nicht nur eine Sache des Trainings, sondern vielmehr der Methode. Es gibt verschiedene Wege und Grundlagen, sich Gedächtnisinhalte einzuprägen. Allen gemeinsam ist das Interesse. Je mehr man sich für etwas interessiert, desto leichter fällt es einem, sich zum Beispiel einen Namen zu merken. Schnelllesen verbessert zudem die Behaltensquote. So kann man sich einfach Worte merken – als Stichworte, Sätze, ganze Gedichte oder Lieder. Auf diese Weise lernen beispielsweise Kinder und Teenager fremdsprachige Liedtexte, ohne überhaupt den Inhalt zu verstehen. Wer einen Text abends durchliest und am nächsten Morgen lernt, verdoppelt den Lernerfolg. Einmal gut Gelerntes bleibt dem Gedächtnis lange haften. Nur was nicht wiederholt wird, geht allmählich wieder verloren. Deshalb wird tägliches Gehirnjogging ab 50 oder 60 immer wichtiger, um nicht vorzeitig an Geisteskraft einzubüssen. Es ist daher sinnvoll, einen Lerninhalt noch am gleichen Tag zu wiederholen und dann etwa nach zwei, vier, 14 und 30 Tagen.
Den Faden verloren
Oft wissen wir etwas. Doch im entscheidenden Moment können wir es nicht abrufen. Das nennt man eine Blockade. Doch das muss nicht sein, denn den grössten Teil davon reden wir uns selbst ein. Wir programmieren uns sozusagen falsch. Heinrich Kleist hat in seinem berühmten Aufsatz "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" eine hervorragende Anregung gegeben: Wenn Sie während des Sprechens den Faden verlieren, dann sprechen Sie einfach aufs Geratewohl weiter. Selbst neue Gedanken, neue Ideen und Argumente entstehen auf diese Weise. Vergessenes fällt Ihnen mit grosser Zuverlässigkeit sofort wieder ein. Halten Sie dagegen an, um "nachzudenken", fällt die Erinnerung deutlich schwerer.
7 Tipps für ein besseres Gedächtnis:
1: Doppelter Lernerfolg: Text abends kurz durchlesen, morgens lernen – doppelter Lernerfolg.
2: Verbinden Sie Wörter und Bilder miteinander. Versuchen Sie zum Beispiel, sich die Bestandteile Ihrer Einkaufsliste bildhaft vorzustellen. Prüfen Sie zehn Minuten später, ob Sie die Liste aus dem Gedächtnis zusammenbringen.
3: Verknüpfung von Lernstoff mit Bilderrastern: Merken Sie sich eine Reihe von Bildern, die bestimmten Zahlen entsprechen – etwa die 1 für eine rote Kerze oder die 2 für einen Schwan. Nun die Bilder mit Leben und Sinneseindrücken füllen. Wenn wir uns etwas merken wollen, schaffen wir die Verbindungen zu diesen Bildern.
4: Forum-Romanum-Methode: Eine einfache Methode, sich eine Liste mit Argumente einzuprägen, ist die Forum-Romanum-Methode. Sie verknüpfen Ihre Argumente mit Merkplätzen in Ihrer Wohnung oder Umgebung. In der Rede gehen Sie dann innerlich diesen Weg entlang und stossen so auf diese Argumente. Überlegen Sie sich, welche Reihe von Gegenständen sich für Ihre Anwendung besonders gut eignen würde.
5: Das Personengedächtnis: Wenn es uns schwer fällt, die Namen von Menschen zu merken, dann liegt das oft daran, dass uns die Menschen wenig bedeuten. Das klingt hart, ist aber oft genug wahr. Der wichtigste Trick, sich Namen und Gesichter zu merken, besteht darin, sich mehr für die Menschen zu interessieren. Gewisse Namen lassen auch bildhafte Verknüpfungen zu, etwa bei Vogel, Jung, Bäcker oder Abderhalden.
6: Der "Karrikatur"-Trick: Merken Sie sich bei Personen besonders auffällige Eigenheiten und Äusserlichkeiten. Dann verbinden Sie diese Eigenheiten mit den Namen.
7: Das Zahlengedächtnis: Viele Menschen können sich das Bewegungsmuster auf der Tastatur besser merken als die Zahl, die sie tippen. Ein guter Trick ist, sich den Weg auf der Tastatur in Form einer roten Linie zu merken.
Linktipps
www.memopower.de
mit Mini-Gedächtnistrainer
www.methode.de
Denkmethoden, Gedächtnistricks
concept & design by CS Marketing GmbH



