Familie: Immer der Nase nach!
Im Gegensatz zu den Walen, die ihre Nasen bei Bedarf verschliessen, bleibt unser Riechorgan immer offen. Es ist damit allen angenehmen, aber auch widerlichen Gerüchen dieser Welt ausgesetzt.
Text: Katrin Brunner, Fotos:
Die Welt um mich herum ist dunkel. Meine Augen sind verbunden, und nur langsam taste ich mich vorwärts. 80 Prozent der Informationen nimmt der Mensch über seine visuellen Sinne – also die Augen – auf. Wenn diese ausgeschaltet sind, bleiben uns Ohren, Nase und der Tast- sowie der Geschmacksinn der Zunge. So fühle ich also das Ding vor mir, das einen intensiven Duft ausströmt – so wie … Thymian! Genau, meine Finger streifen über die Pflanze und reiben die kleinen Blätter. Mein Geruchssinn teilt mir mit, dass ich soeben an einer Thymianpflanze gerieben habe. Die Pflanze ist nur einer der Posten, die sich mit unseren Sinnen beschäftigen, entdeckt in der Ausstellung "Geschmack" im Museum "Mühlerama" in Zürich.
Trainieren Sie Ihre Sinne
"Wir können das Erkennen von Düften aber auch trainieren. Zum Beispiel wenn wir durch die Lebensmittelabteilung eines Geschäftes gehen." Davon ist Andy Tauer – Parfümeur aus Zürich – überzeugt: "Wir wissen zum Beispiel, dass rohe Peperoni anders riechen als gekochte." Wie viele Düfte er als Profi kennt, weiss er gar nicht so genau. "Es müssen Hunderte sein." Die Wissenschaft spricht von rund 5’000 verschiedenen Düften, die nichtrauchende Erwachsene in der Lage seien, zu erkennen.
Machen wir doch zuhause die Probe aufs Exempel: Wenn wir Schokolade oder Käse etwas länger kauen oder einen Schluck Wein einen Moment lang im Mund lassen, lösen sich mit dem Speichel flüchtige Geschmackssubstanzen, die wir retronasal über unseren Hals-Nasen-Rachenraum riechen können. So erkennen wir vielleicht Geruchsnoten wie Himbeeren, Tabak oder auch Schimmelpilz. Trainieren Sie spasseshalber Ihren Geruchssinn und den Ihrer Kinder, indem Sie mit verbundenen oder geschlossenen Augen an Gewürzen, Gemüse oder anderen Dingen schnuppern, und versuchen, diese zu benennen. Kinder entwickeln ihre Fähigkeit, Düfte einzuordnen, zwischen fünf und zehn Jahren.
Riechen wie Hunde
"Hunde sind die Weltmeister im Riechen", sagt Andy Tauer. Mit einem Anteil von 230 Millionen Riechzellen sind sie gegenüber dem Menschen mit "nur" 10 bis 30 Millionen Zellen offenkundig im Vorteil. "Wir Menschen neigen gern gegenüber dem Hund zu Minderwertigkeitskomplexen. Dabei spielen wir in Bezug auf unsere Fähigkeit, Gerüche zu erkennen, im Vergleich mit anderen Säugetieren in der oberen Liga mit", meint Andy Tauer. Spielen wir doch mal Hunde und verstecken im Kinderzimmer eine halbe Mandarine oder eine Schale Essig, die wir von den Kindern suchen lassen. – Oder umgekehrt. Für erwachsene "Spürnasen" oder Fortgeschrittene empfiehlt sich vielleicht ein versteckter Teller mit Gummibärchen. Gönnen wir unseren Augen und denen unserer Kinder mal eine kleine Pause und sensibilisieren unseren Geruchssinn in der meist wenig bekannten Welt der Gerüche!
Tipp:
Ausstellung "Geschmack" noch bis zum 31. Oktober im Museum "Mühlerama" in Zürich
www.muehlerrama.ch
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