Familie: es war einmal ein gesunder Salat
Für eine gesunde Ernährung machen wir viel. Für uns, für unsere Kiner, sogar für unsere Haustiere sind sorgsam abgestimmte Nahrungsmittel im Trend. Den Kampf gegen Pommes, Eistee und Co. zu gewinnen ist allerdings nicht leicht, denn diese sind für viele Jugendliche oft cooler als Mamis Tee aus selbstgepflückten Lindenblüten.
Text:Katrin Brunner
Fischstäbchen-Regatta oder Zucchini-Schiffchen sind nur zwei Rezepte aus einem Kinderkochbuch. Darin werden Eltern aufgefordert, zusammen mit den Kindern ein gesundes Mahl zuzubereiten. Die Theorie sieht super lecker aus, und so steigen gerade bei unerfahrenen Müttern Visionen von einer gesunden Zukunft ihres Nachwuchses auf. Nach Meinung vieler Kinder und Jugendlichen aber ersetzt nichts den Besuch in einem Fastfoodlokal. Solange sich diese Visiten in einem vernünftigen Rahmen halten, ist dagegen nichts einzuwenden. Die Option beim Kindermenü, statt des süssen Desserts einen Beutel mit Früchten zu wählen und beim Getränk ein Mineralwasser statt des obligaten Colas, wird leider selten genutzt. Angesichts der gewichtsmässig stark zunehmenden Jugend jetzt aber McDonald, Burger King und Konsorten die Schuld zu geben, wäre wohl falsch.
Fastfood als Lebensgefüh
Soeben präsentierte die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz Zahlen zu Adipositas. Laut ihrer Studie ist jedes fünfte Kind in den Städten zu dick. Etwas besser präsentiert sich die Situation auf dem Land. Die Studie untersuchte 2008/2009 rund 25000 Kinder. So seien vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien betroffen. Unsere Gesellschaft hat sich stark verändert. Immer öfter ersetzen Energiedrinks die traditionellen Frühstücksgetränke. Manchmal ist ein Elternteil – oder beide – gar nicht anwesend bei den Mahlzeiten. So werden oft Chips, Fixfertigpizza und Limonade vor dem Fernseher oder dem Computer eingenommen. Ein Artikel in der Zeitschrift Hausarzt Praxis erteilt folgende Ratschläge für einen gesunden Umgang mit dem Essen; dies gilt übrigens auch für das Gegenteil von Fettleibigkeit – die Magersucht. So sollten wir versuchen, wenigstens eine gemeinsame Mahlzeit pro Tag einzuhalten und diese gleichzeitig zu beginnen. Das stärkt den Gemeinschaftssinn. Ausser Obst und Gemüse sollten keine Lebensmittel herumstehen. Statt am Fernsehtisch sollten wir an einem Tisch essen. Und ab und zu darf sich auch etwas Süsses gönnen.
Mensas zwischen Trends und Gesundheit
""Schnipo" ist der Renner auf unserer Menükarte. Es sind dabei aber hauptsächlich die Pommes, die ziehen. Ob die Beilage Schnitzel, Fischstäbli oder Chicken Nuggets heisst, spielt keine grosse Rolle", sagt Andreas Kurtz von der SV-Group, die für die fachgerechte Verpflegung an der Kantonsschule Bülach zuständig ist. Ausserdem bietet diese Mensa ein Salatbuffet, einen Vegiteller und ein Tagesmenü, das von paniertem Seelachs über Schweinsbratwurst bis zu Geschnetzeltem reicht, an. Bei den Getränken sei seit der Einführung einer neuen Kaffeemaschine auch bei der Jugend der Latte Macchiatto beliebt. "Im Sommer werden vermehrt Red Bull und Süssgetränke verkauft. Trotzdem wird immer noch viel Wasser getrunken."
Ein Blick in die Mensa der Albuquerque Highschool in New Mexico bietet einen Vergleich zur Kantonsschule Bülach: Die dortigen Getränkeautomaten wurden mit Fruchtsäften und Gaterade, einem Energiedrink, bestückt. Die Menüs sind im Vergleich ähnlich. So werden auch regionale Gerichte gekocht; die Schüler essen Tortilla Burger, Käseomelette oder auch mal einen Cheeseburger plus Salat. Im Internet können sich Eltern über den Kohlenhydratgehalt der Speisen und über allfällige Allergien informieren. Der Preis für ein Mittagessen liegt zwischen 1,75 Dollar für Kinder und drei Dollar für Erwachsene. Die Schüler in Bülach bezahlen für ihr Mittagsmenü rund acht Franken fünfzig.
Es müssen nicht aufwändig gemachte Frucht- oder Gemüseschiffchen sein. Sich die Esssitten von früher wieder zu wünschen, wäre auch illusorisch. Aber mit Respekt vor Lebensmitteln und indem wir ein Essen als Gemeinschaftserlebnis "zelebrieren", leben wir unserer Jugend etwas vor, das sie insgeheim schätzen.
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