Familie: Als Familie auf zu neuen Ideen und Horizonten
Pünktlich mit den ersten Guggenmusiken erschallt im Volk auch jedes Jahr der Ruf nach Fasten und Entschlacken. Fasnacht und Fastenzeit sind aber nicht dasselbe. Nicht übertreiben heisst die Devise und uns einen differenzierten Blick bewahren.
Text: Katrin Brunner
Mit dem Verspeisen der Martini-Gans und dem ersten Auftritt der Guggenmusiken am 11. November, beginnt in unseren Breitengraden die Fasnacht. Der Begriff „Fasnacht“, den wir auch gern mit zu viel essen und zu viel trinken in Verbindung bringen ist trügerisch, folgt doch tags darauf die besinnliche Zeit vor Weihnachten.
Erst richtig geht es dann im Januar los, dies bis hin zum Aschermittwoch. Wo wir bereits um Weihnachten herum zu viel gegessen und uns zu wenig bewegt haben, wird nun auch während der Fasnacht neben dem farbenfrohen Treiben auf den Strassen geschlemmt und getrunken. Das kann nicht immer als gesund bezeichnet werden. Mittendrin stehen wir als Familie und suchen den guten Mittelweg.
Während auf der einen Seite die Fasnacht mit ihren im Öl ausgebackenen süssen Köstlichkeiten lockt, stehen andererseits die Erziehungsberechtigten mit Mahnfinger und Obst und Gemüse. Sie sind aber auch zu lecker, die Fasnachts-Chüechli, Berliner und Schenkeli. Die Zeit der Fasnacht ist seit altersher ein Grund zum feiern, symbolisiert sie doch den Wechsel des kalten und unfruchtbaren Winterhalbjahres zum wärmeren Sommerhalbjahr. Unsere Kinder sind natürlich mit Schmackes dabei, wenn es ums schlemmen geht. Kein Wunder also, wenn uns etwas später im Jahr der Sinn nach innerer Reinigung steht.
Zuviel innere Reinigung ist ungesund
Dann ist es soweit und wir wollen uns und unserem Körper etwas Gutes tun. Am liebsten integrieren wir unseren Nachwuchs gleich mit ins Wohlfühlprogramm. Mit guten Vorsätzen starten wir in die Saftkur oder lassen uns Einläufe verpassen, um den vermeintlich schmutzigen Darmtrakt zu säubern. Das diese gut gemeinten Praktiken nicht immer und nicht für alle gesund sind und meist auch überflüssig, wissen wir nicht oder klammern wir gerne aus.
So reinigt sich der Darm doch von selbst, da sich die Darmschleimhaut fortwährend erneuert. Nein, jetzt muss er weg der Speck und das unreine Gefühl. Unser Körper ist aber kein Metallverarbeitungsbetrieb bei welchem sogenannte „Schlacke“ entsteht. Bei genügend Flüssigkeitszufuhr entschlackt sich der Körper auch von selber. Sogenannte Schadstoffe entsorgt unser Organismus über Nieren, Leber oder den Darm. Das beste daran. Dies macht der Körper das ganze Jahr durch. Eine Saftkur sollte gegebenenfalls ein paar Tage dauern. Trinken ist auch für Kinder immer gut, zumal die Jugend meistens eher unterversorgt ist in Sachen gesundes Trinken. Energiedrinks, Limonaden usw. können nicht als Getränk gelten, sind sie doch eher kalorienstarke Ernährung. Sollte es bereits zu spät sein und wir und unser Nachwuchs sind bereits etwas übergewichtig, kann eine Fastenkur kein alleiniges Mittel zum gesunden Abnehmen sein. Schon gar nicht bei Kindern, deren Körper sich im Aufbau befindet. Der Erfolg ist meist sowieso von kurzer Dauer. So wird in dieser kurzen Zeit vor allem Muskelgewebe abgebaut und kein Fett. Überhaupt sollte eine Fastenkur nur in Absprache mit einem Arzt begonnen werden. Bei Radikaldiäten verliert der Körper nicht nur an Gewicht, sondern auch Wasser und lebenswichtige Stoffe. Lassen wir also für einmal unsere Kinder aus dem Spiel. Spannend dabei ist, dass in allen Kulturen, wie zum Beispiel der islamischen oder der jüdischen, die eine Fastenzeit vorsehen, Kinder und Jugendliche davon ausgeschlossen sind.
Fasten heisst auch lernen zu verzichten
Mit dem Entschluss zu fasten oder den Körper zu entschlacken, geht der Wunsch nach einer persönlichen Veränderung einher. Wichtige Komponente dabei könnte auch der meditative Aspekt sein. Meditation und innere Einkehr sind im Umgang mit Kindern etwas hochgestochene Begriffe. Aber im Einzelnen geht es darum, auch mal auf etwas zu verzichten. Das müssen nicht nur Gewicht und Giftstoffe im Körper sein.
Vielmehr geht es um ein geistiges Fasten. Wie fühlen wir uns, wenn wir eine Zeitlang auf etwas verzichten? Sei es die Schokolade nach dem Mittagessen, der routinierte Fernsehkonsum oder das spielen am Computer. Ein Versuch im Familienverband lohnt sich. Die zwei ersten Tage sind die härtesten. Dies bestätigen auch traditionell Fastende. Wir tigern im Haus herum auf der Suche nach… Ja nach was denn? Die Zeit, die wir mit essen, fernsehen, oder am Computer spielend verbringen, ist plötzlich unausgefüllt. Wir müssen lernen, damit umzugehen. Setzen wir uns hin für ein Gesellschaftsspiel? Oder treffen wir uns mit Freunden?
Der Nutzen einer solchen Auszeit ist vor allem für jüngere Kinder nicht immer ersichtlich. Deren Fragen und eventuelles Quengeln gilt es für Eltern zusätzlich auszuhalten. Die Wirkung einer solchen temporären Abstinenz, lässt sich aber durchaus mit dem Gefühl nach einer Fasten - Entschlackungskur vergleichen.
Das „geistige“ Fasten gleicht einer inneren Reinigung, welche uns vielleicht die Wichtigkeit der täglichen Kleinigkeiten vor Augen führen kann.
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