Fokus: Frühling geniessen wie eine tiefe, innige Freundschaft
Unser Erdball hat eine grosse Vielfalt an Frühlingsformen, aber bestimmte Merkmale haben alle: Neubeginn, Kräfteausbruch und Feuerwerk der sinnlichen Botschaften in Gestalt von Farben, Tönen und Düften. Oder besser gesagt, mit tausend Grüssen aus dem All für die Geschöpfe dieser Erde. Wir müssen nur wie Kinder die Schöpfung betrachten.
TEXT: MICHELINE KLAPPROTH
BILDER: WWW.SXC.HU
Wer hat nicht im Laufe seines Lebens mindestens einmal oder mehr diesen plötzlichen Kraftzuwachs oder fröhlichen Übermut im Frühling gespürt? Doch es gibt auch Tage mitten in der schönsten Frühlingsszenerie, an denen einfach nichts gelingen will: alles ist einem zu viel! Was soll man nur tun? Die berüchtigte «Frühjahrsmüdigkeit» ist da, und sie beschert einem – im wahrsten Sinne des Wortes – manchmal totale Lustlosigkeit.
Aber zum Glück haben viele ihre eigenen Hausmittelchen, die übrigens oft hervorragend wirken. Jede Zeit hat ihre Spezialtipps. Da war eine Zeit – ich erinnere mich noch – wo man besonders auf Blutreinigungstees schwor (vor allem unter Schauspielerinnen war das Johanniskraut «en vogue» und es half oft nicht wenig), wie man durch die Blume hat sagen hören.
Die grosse «Hausapotheke» von Mutter Natur hat da viele Reichtümer für die geplagten Erdenbürger bereit. Im Frühjahr wachsen ganz besonders viele Kräutlein in Wiese und Feld, und auf dem feuchten Waldboden spriessen die ersten zarten grünen Blättchen an Sträuchern und Büschen, die im Sommer Beeren aller Art tragen werden: die aromatischen, feinen Heidelbeeren, die schwarzglänzenden Brombeeren und die pinkigen Himbeeren …
Alle diese Naturprodukte, frisch aus Wald und Flur, bringen oft grosse Erleichterung, sei es physisch beziehungsweise psychisch – oder meistens gleich beides miteinander. Sie lassen im Menschen neue Kräfte entstehen, und dadurch wird die Last der Müdigkeit tragbarer. Die blockierten Lebensenergien fliessen dadurch wieder besser.
Blockaden physischer oder mentaler Natur kann man übrigens auch mit verschiedenen anderen Heilmethoden wie Meditation, Atemübungstechniken etc. bekämpfen und heilen.
Der Frühjahrsmüdigkeit mit Verständnis begegnen
In den nebligen, kalten Wintertagen hat sich Dunkelheit und damit viel Entmutigung in den Menschen angesammelt. Umso grösser ist das Gefühl von Düsterkeit, wenn draussen ein strahlender Frühlingstag angebrochen ist. In diesen Momenten ist der Kontrast zwischen Aussen- und Innenwelt eklatant. Das braucht einen aber nicht zu beunruhigen. Das ist sozusagen vorprogrammiert. Am besten, man begegnet sich selber mit liebevollem Verständnis. Nicht alle Menschen reagieren gleich stark auf die Winterzeit. Da heisst die Losung: nicht zu beängstigt auf die Mangelerscheinungen reagieren! Es stehen uns ja verschiedenste Möglichkeiten wie kräfteweckende Stärkungsmittel aus der Natur, Bewegungs- und Atemtraining aller Arten oder auch energiespendende Meditationen zur Verfügung.
Der Frühling, ein grosses Feuerwerk von Klängen und Düften
Doch dann ist der Frühling plötzlich da, in welchen man richtig eintauchen kann. Ohne unser Zutun ist er gekommen und entfaltet sich dann in tausend sinnlichen Variationen. In einem Sonett von Shakespeare wird diese an sich einfache, aber sehr elementare Erkenntnis treffend geschildert: «and the grass grows by itself …» (und s’Gras wachst ganz vo äläi)
Mit seinem wunderbaren «Kraftelixier» fordert uns der Lenz auf, neue Energie in uns einfliessen zu lassen. Dann kann man sie auch verschwenderisch weitergeben …
Manchmal gibt sich der Frühling pastellfarbig, von zart bis extravagant sind dann seine Töne. (In Paris z. B. ist der Frühlingshimmel oft so süffig hell wie perlender Champagner. Oder manchmal auch etwas wild und stürmisch. Schliesslich müssen ja noch die letzten trockenen Blätter und Ästlein von den Bäumen runterfallen.)
Wenn diese Böen und Stösse nicht allzu heftig sind, dann tragen sie auch dazu bei, unser Kraftreservoir mit stärkender Energie zu füllen.
KUNST UND FRÜHLING
Von jeher haben die Malerinnen und Maler ein ganz besonderes Gespür für das Licht gezeigt. Die Beschaffenheit des Leuchtens wurde von ihnen ständig neu studiert und erörtert. Bei den Impressionisten wurde das Licht sogar zum Hauptthema ihrer Arbeiten. Kein Wunder, dass Orte, die ein besonderes Licht aufweisen, wie beispielsweise das Dörflein St. Yves an der Südküste Englands, förmlich vom malenden Künstlervolk überrannt wurden. Noch heute hält sich dort zu jeder Jahreszeit eine malende Clientèle auf. Das kleine, malerische Fischerdörfchen ist für viele (und nicht nur für Engländer) der «Geheimtipp» schlechthin.
Jede Jahreszeit sei dort besonders zauberhaft. Der Frühling aber sei die schönste Zeit, sagen die meisten.
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