Komplementärmedizin: Fasten entschlackt
Im Frühling hat das Fasten Hochsaison. Im deutschsprachigen Raum fasten jährlich mehrere Millionen Menschen. Über den Sinn bzw. Unsinn des Fastens streiten vor allem Nicht-Fastenerfahrene.
Text: Ida Hofstetter, Fotos:
Die meisten, die schon einmal gefastet haben, sind begeistert von den Wirkungen des freiwilligen Nahrungsverzichts für eine begrenzte Zeit. Sie schwärmen von körper-licher Leichtigkeit, von neuer Lebensfreude und von grossem Energieschub. Landauf-landab wird dabei von "Entschlackung" gesprochen. Da der Begriff "Schlacke" in der Medizin nicht existiert, wird von dieser Seite gesagt, dass es keine Entschlackung gebe und dieser Begriff in die Industrie gehöre.
Gibt es überhaupt Schlacken?
Der deutsche Arzt Otto Buchinger, Begründer der heute am häufigsten praktizierten Methode "Buchinger-Fasten", hat 1935 den Begriff "entschlacken" verwendet, weil den Menschen seinerzeit das Wort "Schlacke" als Bezeichnung für die unverbrannten Rückstände der damals üblichen Kohleöfen vertraut war. Zugleich diente ihm für ei-nen gestörten Stoffwechsel der Begriff als bildhafter Vergleich eines russenden Ofens, der erst dann wieder gut zöge, wenn er von seinen Schlacken befreit wäre. Im Volksmund hat sich "entschlacken" als Sinnbild für das Entfernen von Überflüssigem, Störendem, ja Schädlichem erhalten. Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, Überlingen, sagt, dass sich die Verwendung des Begriffs Schlacke in der Medizin er-übrige, da für die Gesundheit Schädliches, Überflüssiges und Störendes chemisch definiert und benannt werden könne. Es seien dies zum Beispiel:
• überschüssige Fette, etwa als erhöhte Triglyceride, Cholesterin und "low-density lipoprotein" im Blutserum
• erhöhte Harnsäure im Blut und Gewebe als Ursache von Gichtablagerungen
• schädliche, langkettige Zucker-Eiweiss-Verbindungen: "advanced glycation endproducts" (AGEs) als Promotoren von Arteriosklerose und Alterungsprozessen
• ein Übermass an Antigen-Antikörper-Komplexen bei Allergien durch überschüssi-ges Bauchfett (viszerale Adipositas)
• schädlich erhöhte Botenstoffe wie Insulin, Angiotensinogen, Tumornekrosefaktor alpha, Hormone wie Östrogen, entzündungsfördernde Interleukine, gerinnungs-promovierende Faktoren wie Plasminogenaktivatorinhibitor 1 und viele andere.
Aerzte sind verblüfft
Im richtigen Fasten – es kann auch einiges falsch gemacht werden – wird viel von diesen "Schlacken" aufgelöst und ausgeschieden. Betroffene und Ärztinnen und Ärz-te sind jeweils verblüfft, wie sich zum Beispiel Blutdruck, Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern, und wie die antientzündliche Wirkung Schmerzen reduziert, beispielsweise an den Gelenken bei Rheuma. Aber auch bei vielen anderen körperlichen Be-schwerden hat sich das Fasten sehr bewährt, unter anderem bei Allergien, Magen und Darmbeschwerden, chronischen Hauterkrankungen, chronisch-entzündlichen Erkrankungen usw.
Seelisch-geistige Schlacken
Das Fasten entschlackt aber auch auf der seelisch-geistigen Ebene: Sorgenvolle Ge-danken weichen hoffnungsvollen. So ist es möglich, dass für länger gewälzte Proble-me plötzlich überzeugende Lösungen auf dem Tisch sind. Allem voran werden aber schwierige Situationen, die (momentan) nicht zu ändern sind, als viel weniger belas-tender empfunden. Manchmal kann es vorübergehend auch schmerzhaft werden, nämlich dann, wenn verdrängte Gefühle wie Angst, Groll und Trauer bewusst wer-den, was im Fasten gerne passiert. Dann sind einfühlsame Gespräche hilfreich, denn dadurch kann das Verdrängte verarbeitet werden, und es mottet nicht mehr still vor sich hin. Diese aufgehellte Stimmung klingt im Alltag nach. Wer Menschen am Ende der Fastenzeit erlebt, weiss, wie sich eine geballte Lebensfreude anfühlt. Am liebsten würde man vor Freude tanzen.
Religiöses und medizinisches Heilfasten
Das Fasten ist so alt wie die Menschen; es ist eine Form menschlicher Kultur. In allen Weltreligionen spielte es als Stärkung der körperlichen und seelisch-geistigen Kräfte eine grosse Rolle. Vom Kirchenvater Athanasius (295 - 373 n. Chr.) stammt folgendes Zitat: "Siehe da, was das Fasten bewirkt! Es heilt die Krankheiten, verscheucht ver-kehrte Gedanken, gibt dem Geist grössere Klarheit und führt den Menschen vor den Thron Gottes." Vom griechischen Arzt Hippokrates wie auch von den Ärzten Roms, der arabischen Welt und des Mittelalters ist bekannt, dass sie das Heilfasten als medi-zinische Therapiemethode eingesetzt haben. Hippokrates: "...und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei".
Die Autorin
Die 49-jährige Ida Hofstetter ist zertifizierte Fastenleiterin UGB (Verband für unabhängige Gesundheitsbe-ratung) sowie Ernährungspsychologische Beraterin IKP (Institut für körperzentrierte Psychotherapie). Sie hat auch diverse Weiterbildungen in Bewegung und Entspannung sowie den Eidg. Fachausweis Ausbil-derin absolviert. Ida Hofstetter bietet Fastenwochen an verschiedenen Orten in der Schweiz an. Nächs-te Kursdaten: Tessin, 17. bis 24. April und 25. April bis 2. Mai. Weitere Termine und Informationen unter
www.fasten-wandern-wellness.ch
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