Die Heilkraft der Natur: Spitzwegerich
"Und du, Wegerich, Mutter der Pflanzen,
offen nach Osten, mächtig im Innern:
Über dich knarren Wagen, über dich ritten Frauen,
über dich ritten Bräute, über dich schnaubten Farren.
So lautet der Anfang eines angelsächsisches Heilsegens. Der Wegerich hat eine lange Tradition als Heilpflanze und kommt praktisch auf der ganzen Welt vor.
Es gibt viele verschiedene Wegerich-Arten, wovon aber vor allem der Gemeine oder Grosse Wegerich (Plantago major), der Sandwegerich (Plantago arenaria) und der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) als Arzneipflanze verwendet werden. Der Spitzwegerich ist eine ausdauernde, bis 50 Zentimeter hohe Staude und gehört zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Die Blätter stehen in einer Grundrosette, sind lanzettförmig und drei- bis fünfnervig. Die unscheinbaren Blüten sitzen auf dünnen, aufrechten Stielen in einer kugeligen Ähre; die Samen sind schwarzbraun. Die Blütezeit ist von Mai bis September.
Magenstärkend und wundheilend
In der Pflanzenheilkunde werden die Blätter (Plantaginis lanceolatae folium) und das Kraut (Plantaginis lanceolatae herba) des Spitzwegerichs für Heilzwecke genutzt. Der Spitzwegerich enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe, Glykoside, Bitterstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Durch seine Inhaltsstoffe wirkt er adstringierend, entzündungshemmend, antibakteriell, reizmildernd, schleimlösend, krampflösend, antikatarrhalisch, magenstärkend und wundheilend.
Bei Atemwegserkrankungen und Hautverletzungen
Innerlich angewendet – zum Beispiel als Tinktur, Tee, Husten- oder Presssaft – kann der Spitzwegerich vor allem bei entzündeten Schleimhäuten wie etwa Harnwegserkrankungen oder -reizungen und bei Atemwegserkrankungen wie Husten, Verschleimung, Bronchitis oder Asthma eingesetzt werden. Auch allergischer Schnupfen und Verdauungsstörungen können mit Spitzwegerich behandelt werden. Äusserlich – als Umschlag, Salbe, Waschlösung oder Gurgelmittel – findet der Spitzwegerich Anwendung bei entzündlichen Veränderungen der Haut, Verletzungen und Insektenstichen. Er beschleunigt den Heilungsprozess von langsam heilenden Wunden und kann bei Hämorrhoiden helfen. Zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum sowie Halsschmerzen empfiehlt sich der Spitzwegerich als Gurgelmittel.
Praktische Anwendung
Spitzwegerich-Tee:
1-2 Teelöffel Kraut mit 150ml heissem Wasser übergiessen, 10-15 Minuten ziehen lassen und bei Bedarf mehrmals täglich eine Tasse trinken.
Umschlag bei Bienenstichen und schlecht heilenden Wunden:
Einige frische Wegerichblätter waschen, zu einem Blätterbrei verarbeiten und auf die betroffenen Stellen auflegen.
Die Autorin:
Christine Spörri, Phytotherapeutin, mit eigener Praxis in Rieden AG
Auskunft auf www.pflanzenzauber.ch oder Telefon 076 575 30 11
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