Familie: Und ewig dröhnt der Beat
Die Ohren sind neben den Augen eines unserer wichtigsten Organe. Oftmals grenzt es aber an ein kleines Wunder, wenn sie die Jugend unbeschadet überstehen.
Text: Katrin Brunner
Erinnern Sie sich noch an Ihre Jugendzeit? Wie es damals hiess: "Stell die Musik leiser!", oder: "Hör sofort mit dem Krach auf!". Dabei galt es – wenn es dieses Wort bereits gegeben hätte – als extrem "uncool", Musik nur in Zimmerlautstärke zu hören. An Rockkonzerten war der beliebteste Platz direkt vor den Lautsprecherboxen. Und wenn uns die Ohren am nächsten Morgen noch gesummt haben, waren wir in unseren Augen die Grössten. Heute sind wir schlauer, und auch die Konzertveranstalter verteilen in der Regel im Vorfeld von Rockkonzerten Ohrstöpsel. Obwohl immer noch einer grosser Teil des gummiartigen Hörschutzes bereits vor und während des Konzerts in der Halle am Boden liegen bleibt.
Es kann nicht laut genug sein
Untersuchungen zufolge liegt die Schmerzgrenze bei uns Menschen bei 130 Dezibel. Während wir in einer Disco bereits rund 110 Dezibel messen, bewegt sich der Wert beim normalen Gespräch noch bei 60 Dezibel. Entscheidend ist aber nicht nur der gemessene Wert an Dezibel sondern auch die Zeitdauer, in der unser Gehör den Lauten ausgesetzt ist. Gerade Kinder und Jugendliche reiten begeistert mit auf der Welle der portablen Musikgeräte. Discmen, MP-3-Player und IPods sind aus den meisten Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. 2008 beschäftigte sich ein Gericht in San Francisco mit einer Sammelklage gegen Apple. Die Kläger kritisierten das Design der IPod-Kopfhörer, die ihrer Meinung nach zu tief im Ohr verankert werden müssten. Ausserdem liesse sich die Lautstärke zu hoch einstellen. Die Klage wurde abgewiesen. Tatsache aber ist, dass bereits eine Beschallung von durchschnittlich 100 Dezibel während zwanzig Minuten eine enorme Belastung des menschlichen Gehörgangs darstellt. Aber gerade Kindern und Jugendlichen kann es gar nicht zu laut sein, und ein Leiserstellen der favorisierten Musik kommt nur in den seltensten Fällen in Frage.
Kindliche Schwerhörigkeit
Bereits ab der 28. Schwangerschaftswoche hört ein Ungeborenes seine Umgebung. Die Fähigkeit, hohe Töne zu erkennen und zu unterscheiden, ist jungen Menschen eigen und nimmt leider mit dem Alter ab. Aber: Ob von Geburt aus, durch eine Krankheit oder durch einen Unfall – gehörgeschädigte Kinder leiden und sind oft das Gespött von Kameraden. Das Erkennen einer kindlichen Schwerhörigkeit ist alles andere als einfach. Ob der Nachwuchs jetzt wieder nur in der eigenen Traumwelt weilt, wenn er nicht hört? Oder wieso passt unser Kind in der Schule nie richtig auf? Ist es, weil der Unterricht langweilig ist, oder vielleicht doch, weil es die Lehrperson nicht richtig hört? Solche Fragen sind für Erziehungsberechtigte nicht einfach zu beantworten, und oftmals ist es schwierig, dass Problem zu erkennen. Die Devise lautet deshalb: Lieber einmal zu viel für eine Abklärung zum Arzt als einmal zu wenig. Unsicherheit kommt mit Unwissenheit.
Dem Gehör eine Pause oder spiel damit
In der Flut der täglichen Laute ist es schwierig, einen Ort der Ruhe zu finden. Wann war es das letzte Mal absolut still um uns herum? Vielleicht in der Wüste? Auch unter Wasser wird es immer lauter. Der Lärm der Tauchboote macht den Fischen im Riff zu schaffen. Höchste Zeit, den Fernseher, die Stereoanlage oder das Radio einmal abzustellen. Was können wir noch hören? Lassen wir unsere Kinder doch raten! Auf www.spieleundzukunft.de finden wir den Vorschlag eines selbst gebastelten "Hörmemories". Dazu füllen wir Döschen oder Zündholzschachteln mit allerlei Dingen wie Reiskörner, Büroklammern, Erbsen, Zucker usw. – immer zwei mit demselben Inhalt. Danach stellen wir sie zusammen und schütteln eine nach der anderen auf der Suche nach den beiden identischen. Sie werden staunen, wie rhythmisch Reis oder Cornflakes klingen können.
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