Fokus: Hörstörungen: Gründe unf Folgen
Tag und Nacht stehen wir in Kontakt mit einer Vielfalt an Klängen, Geräuschen, Tönen. Im Alter, aber auch jüngere Menschen leiden immer häufiger an Hörstörungen. Was sind die Gründe und Folgen dieser Symptome?
Text: Fabrice Müller, Fotos
Das Gehör verbindet uns nicht nur mit unserer Umwelt, mit unseren Mitmenschen, es leistet auch Präzisionsarbeit: Aus dem Meer von Geräuschen filtriert es das für uns Bedeutsame heraus, und sorgt dafür, dass wir uns zurechtfinden. Das Gehör vermittelt uns Sicherheit und Vertrauen. Es warnt uns im Verkehr vor herannahenden Gefahren. Und auch im Schlaf überwacht es unsere Umgebung. Schon im Mutterleib treten wir über unser Gehör mit unserer Umwelt in Kontakt, vernehmen Stimmen und Geräusche, lernen Wohlwollen von Negativem zu unterscheiden. So erfüllt unser Gehör bereits früh eine wichtige Funktion für soziale Kontakte. Höreindrücke können in uns Bilder hervorrufen, können unsere Befindlichkeit beeinflussen. Meist realisieren wir erst, wie wichtig und kostbar gutes Hören ist, wenn wir mit einer Hörbeeinträchtigung konfrontiert werden.
Verschiedene Arten von Hörstörungen
Man unterscheidet verschiedene Arten von Hörstörungen: Die Geräuschüberempfindlichkeit kann sich als Überforderungs- oder Erschöpfungsreaktion einstellen, aber auch als Folge von Drogenkonsum oder einer psychischen Erkrankung wie etwa der Schizophrenie. Eine weitere Form ist die Geräuschunterempfindlichkeit. Dabei wird unterschieden zwischen angeborener bzw. früh erworbener Schwerhörigkeit und einer spät erworbenen. In ihrer extremsten Form tritt diese als Taubheit auf. Andere zu beachtende Formen sind der Hörsturz, der Tinnitus (Ohrgeräusche wie etwa Pfeifen oder Rauschen) sowie psychogene Hörstörungen. Jeder der drei Ohrteile (äusseres Ohr, Mittelohr, Innenohr) kann an einer Hörstörung beteiligt sein. Sind das äussere Ohr oder Mittelohr dafür verantwortlich, spricht man von einer Schalleitungsschwerhörigkeit. Diese kann durch Schmalzpfropfen und Infektionen des Gehörganges des äusseren Ohrs entstehen. Entzündungen, Beschädigung des Trommelfells oder eine Verkalkung der Gehörknöchelchen im Mittelohr sind weitere Ursachen. Am häufigsten ist der Grund eines Hörverlustes im Innenohr zu suchen. Man spricht dann von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Diese tritt als Konsequenz des natürlichen Alterungsprozesses auf, durch die Einnahme von Medikamenten (gehörschädigende Nebenwirkungen) oder als Folge eines Schädelbruches. Häufig aber stellt sie sich aber auch als Ergebnis starker Lärmeinwirkung ein.
Auch bei Kindern und Jugendlichen
Die Schwerhörigkeit im Alter ist wahrscheinlich vor allem eine sogenannte Zivilisationskrankheit. Angehörige von Naturvölkern dagegen hören auch im Alter noch nahezu so wie in der Jugend. Der Alterungsprozess des Gehörs ist das Ergebnis aller schädlichen Einflüsse wie Dauergeräuschbelastungen, Erkrankungen und auch Medikamente. Selbst bei Kindern und Jugendlichen ist Schwerhörigkeit bereits ein Thema. Mittlerweile hört bereits jeder Fünfte schlecht. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Die Bevölkerung wird immer älter, die Lärmbelastung immer höher. Der Lärm ist denn auch der Hauptfeind des Gehörs. Die Lärmbelastung hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durch Industrialisierung, Strassenverkehr oder MP3-Player stetig zugenommen. Die Auswirkungen der verschiedenen Geräuschquellen, denen der durchschnittliche Mitteleuropäer heute ausgesetzt ist, sollte nicht unterschätzt werden. Eine weitere Ursache für Hörverlust wie auch Tinnitus kann in einer stark zuckerhaltige Ernährung liegen. Diese regt die Ausschüttung des Hormons Adrenalin an, und Adrenalin verengt ebenfalls die winzigen Blutgefässe im Innenohr.
Isolation und Unverständnis
Die ersten Anzeichen für eine Schwerhörigkeit sind zum Beispiel der zu laut eingestellte Fernsehapparat, die zu laute Stimme im Zwiegespräch, ein gereiztes Nachfragen nach dem Gesprächsinhalt oder die Aufforderung, doch deutlicher zu sprechen. Diese alltäglichen Erscheinungen sind zumeist erste Anzeichen für eine Hörminderung. Damit einher geht oft auch eine seelische Beeinträchtigung. Zu Beginn steht die Aggressivität und das Unverständnis über die Vielzahl von Mitmenschen, die undeutlich und unverständlich sprechen. Selbstisolierung und Vereinsamung sind die weiteren Folgen, weil man vor allem in Gesellschaft dem Gespräch nicht folgen kann. Tatsächlich hören "Schwerhörige" nicht schlecht, sondern sie verstehen schlecht. Hintergrundgeräusche, seien es Strassenlärm, Musik oder Gesprächslärm, können nur mehr unzureichend vom gesprochenen Wort, das an den Gesprächspartner gerichtet wird, unterschieden werden.
Körperliche Konsequenzen
Wird ein Hörverlust nicht behandelt, können sich auch körperliche Konsequenzen einstellen. Neben einem allgemeinen Unwohlsein kommt es laut Studien häufig zu Müdigkeit oder Erschöpfung, zu Kopf- und Muskelschmerzen, Schwindelgefühl, Stress und erhöhtem Blutdruck, Ess- und Schlafstörungen sowie zu Magenproblemen. Auch unser Gehirn kann an einer unbehandelten Hörbehinderung Schaden nehmen. Es hat die Aufgabe, aus dem Meer von Geräuschen, das für uns Bedeutsame herauszufiltern. Diese Fähigkeit muss ständig trainiert werden. Geschieht dies während einer zu langer Zeit nicht, geht sie teilweise oder ganz verloren. Im günstigen Fall lässt sie sich bei rechtzeitiger Verwendung eines Hörgerätes wieder antrainieren.
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