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Familie: soweit uns die Beine tragen


Manche Lebewesen haben davon vier Stück. Wir Menschen besitzen "nur" zwei davon. Trotzdem sind wir ganz schön mobil, wenn wir wollen. Da unsere Beine ein Leben lang eine tragende Rolle spielen, nehmen sie in Sachen Ästhetik und Fortbewegung einen wichtigen Platz ein. Schon im Kindesalter.

Text: Katrin Brunner

Zuckersüss! Wirklich allerliebst sehen die Kleinen in den Clownkostümen aus. Sie sind mit ihren fünf Jahren die Jüngsten der Ballettschule in der Nähe von Zürich, und heute haben sie zusammen mit allen anderen Schülern ihren grossen Tag beim Jubiläumsauftritt vor Publikum. Noch hat der Tanz der  Fünfjährigen weniger mit Ballett gemeinsam als vielmehr mit dem MuKi-Turnen. Ab dem siebten Lebensjahr können sich die Kinder hier zum Ballettunterricht anmelden. Die getanzten Figuren lassen den klassischen Tanz bereits erahnen; noch wird aber nicht auf hohem Niveau getanzt und geprobt, das dem Körper einen grossen Anspruch abverlangt. Erst die Teenager tanzen mit dem Spitzschuh. Dann heisst es, auf den Zehen tanzen – unter anderem  auch das "en dehors" , jenes Auswärtsdrehen der Beine aus dem Hüftgelenk, das ein längeres Training voraussetzt. Gerade der Tanz mit dem Spitzschuh fordert eine vernünftige und regelmässige Übung, das über Jahre hinweg dauert. Dasselbe gilt für den Spagat. In der Schule steht jedoch der Spass im Vordergrund. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder über Jahre hinweg dranbleiben und sich die Darbietung der Zwölf- bis Sechzehnjährigen sehen lassen kann.

Fussball verursacht O-Beine
Vor acht Jahren wollte der belgische Sportwissenschaftler Erik Witvrouw von der Universität Gent dem Gerücht nachgehen, dass Fussball O-Beine verursache. Aus diesem Grund untersuchte er 550 jugendliche Kicker, die regelmässig Fussball spielen. Dabei fand er heraus, dass jedes vierte Kind bereits zu Deformationen an beiden Beinen neigte. Mit zunehmendem Alter hatten die Fehlstellungen sogar zugenommen. Hauptursache war für Witvrouw und sein Team die nicht symmetrische Entwicklung der Muskulatur. Beim Fussballspielen werde vor allem die innere Beinmuskulatur trainiert, die sich dadurch kräftiger und kürzer entwickle als die äussere. Dies könne durchaus zu O-Beinen führen. Hier sind die jugendlichen Kicker aber in bester Gesellschaft mit vielen Grössen des Ballsports. Ausserdem besteht unter anderem die Gefahr von Meniskus- und Knorpelschäden im Knie oder von Bänderdehnungen und Arthrosen. "Wer Fussball spielt, sollte auch andere ausgleichende Sportarten betreiben. Übungen mit einem zwischen den Beinen gespannten Gummiband, das auseinandergezogen wird, trainieren ausserdem gezielt die Aussenmuskulatur und beugen so O-Beinen vor", erklärt Thorsten Schiffer von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Als Kugel im Bauch
Dabei sind O- oder etwas später auch X-Beine keine Seltenheit, sondern normal bei Kleinkindern. Das ungeborene Kind liegt einer Kugel gleich im schützenden Bauch der Mutter. Diese für Aussenstehende ungemütliche Haltung ermöglichen die nach aussen gedrehten Hüftgelenke. Wenn das Kind Laufen lernt, drehen sich die Oberschenkel im Hüftgelenk normalerweise nach innen und verändern so den watschelnden Entengang des Babys in den gesunden Gang.


"Tanzen ist Träumen mit den Beinen!"  (Herwig Mitteregger)
 


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