Familie: Der Mund - mehr als nur der Beginn unserer Verdauung
Es gibt Lebewesen, die haben gar keinen Mund – zum Beispiel die Bandwürmer. Sie nehmen ihre Nahrung durch die Aussenhaut auf. Wie viel glücklicher sind doch wir Menschen, dient schliesslich die vordere Öffnung des Verdauungstraktes nicht nur zum Essen, sondern auch zum Sprechen oder um Gefühle zu zeigen.
Text: Katrin Brunner
Im Hinblick auf die Theaterprobe vom Abend macht Rainer am Nachmittag bereits seine Stimm- und Mundübungen. "Blomblomblom – blobloblo" und schlussendlich "blam blom blum". Neben der eigentlichen Körpersprache ist aber auch das richtige Timing des Mundes und der Sprache eines der wichtigsten Ausdrucksmittel im Theater. Für seine Mundübungen steht Rainer vor dem Spiegel und öffnet und schliesst abwechslungsweise seinen Mund. Oder er formt mit den Lippen ein "O", um danach wieder den Mund zuzuspitzen. A,E,U oder Ö sind die Vokale, die laut und erkennbar durch den Raum schweben. Gefolgt von F,G,K oder S. Durch das Senken, Heben oder Verziehen der Mundwinkel eignet sich unser Mund auch hervorragend, um Stimmungen auszudrücken. Dies versucht der Schauspieler darzustellen. Nicht nur Kinder ziehen ab und zu eine "Schnute".
Die Kinder mit der Mundharmonika
Stimmungen lassen sich mittels Mimik und Befindlichkeiten mit Musik darstellen. 1820 tauchte erstmals die Mundharmonika auf. Weil klein und günstig, entwickelte sich das Instrument schon bald als Verkaufsschlager. In ihrem Gefolge erlebte auch die Maultrommel eine Renaissance bis um 1900. Während die Maultrommel heute wieder in Vergessenheit geraten ist, hört man heute die Mundharmonika unter anderem in der Country- und Bluesmusik. Verschiedene Klassen der Mittelstufe in Niederweningen beispielsweise setzen auch im Musikunterricht auf dieses handliche Instrument. Als "gäbiges Instrument" bezeichnet Bernadette Maurer die Mundharmonika, die sie und ihre Kollegen im Rahmen einer Lehrerfortbildung näher kennengelernt hatten. "Es ist für die Kinder schnell möglich, eine Melodie zu spielen, was ihnen sofort ein Erfolgserlebnis gibt", ist die Lehrerin überzeugt. Ausserdem sei es eine gute Konzentrations- und Atemübung.
Einmal Lippen wie die BB oder Angelina Joli
Eine ganze Generation schwärmte vom Schmollmund der Brigitte Bardot. Die nächste Altersstufe träumt derweil vom vermeintlich erotischen Fixpunkt der Angelina Joli. Dabei lässt sich unsere Generation im Wettstreit um ihr Schönheitsideal allerhand einfallen. Es ist eine unabänderliche Tatsache, dass mit dem Älterwerden auch das Lippenvolumen ab-, dafür die Faltenbildung zunimmt. Für diejenigen, denen das ungerecht erscheint, heisst die Behandlungsmethode "Lippenaufbau" und "Faltenunterspritzen". Dabei wird entweder Hyaloronsäure – Zuckermoleküle, die Wasser binden – in den Lippenrand gespritzt; die Moleküle lassen die Lippen durch die Wasserbindung wieder voller erscheinen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Lippen mit körpereigenem Fett zu unterspritzen. Daneben könnte der Arzt oder die Ärztin die Mimikfalten um den Mund mit derselben Substanz etwas aufspritzen. Der Spitzenreiter in dieser Behandlungsparte heisst aber immer noch "Botulinumtoxin" – besser bekannt als "Botox". Dies hält doch rund vier Monate, und eine Behandlungseinheit ist für durchschnittlich 800 Franken zu haben ist. – Wie auch immer, unser Mund ist tatsächlich viel mehr als nur der obere Teil des Verdauungstraktes, der nur zur Nahrungsaufnahme und zum Sprechen da ist.
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