Die Nachtkerze – Eine betörende Mondanbeterin

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Abendblume, Schlafende Jungfrau, Gelber Nachtschatten, Nachtschlüsselblume, Nachtstern, Sommerstern, Süsswurzel, Weinblume – Dies ist nur eine kleine Auswahl der vielen Namen für die Nachtkerze.

Machen Sie in den warmen Sommermonaten des Öfteren einen Abendspaziergang in der freien Natur?Zwischen Juni und September ist die Wahrscheinlichkeit gross, der Nachtkerze (Oenothera biennis) zu begegnen. Kurz nach Sonnenuntergang öffnen sich ihre schwefelgelben, vierzähligen Blütenblätter. Dies geschieht innerhalb weniger Minuten, was gerade für Kinder ein faszinierender Anblick ist. 

Hat sich die Blume geöffnet, dauert es nicht lange, bis sie von Nachtfaltern umschwirrt wird. 

Sie werden für die Bestäubung vom süsslichen, vanilleähnlichen Duft angelockt. Dieser Effekt wird noch verstärkt, indem das helle Gelb das restliche Tageslicht oder die Mondstrahlen reflektiert. Doch bereits im Verlauf des nächsten Tages ist der Zauber vorbei, und die Blüte verwelkt. Dies ist allerdings kein Grund zur Traurigkeit. Zur Hauptblütezeit wachsen ständig neue Knospen nach, und das Schauspiel kann jeden Abend erneut stattfinden.
Diese Taktik ist übrigens ganz schön schlau: Als Blume der Dunkelheit entgeht die Nachtkerze der Konkurrenz der anderen Blüten, die untertags um die bestäubenden Insekten wetteifern.

 

Amerikanische Wurzeln
Hätten Sie es gewusst? Die Nachtkerze zählt in Mitteleuropa zu den Neophyten, das heisst, sie ist eine Einwandererpflanze.
Erst im 17. Jahrhundert wurde sie als Ziergewächs aus Nordamerika nach Europa mitgebracht. Im botanischen Garten von Padua konnte die Pflanze zum ersten Mal in der neuen Heimat bestaunt werden. Schon bald veranlassten viele Adlige den Anbau in ihren Schlossparks, und schliesslich hielt sie auch Einzug in die Gärten des Bürgertums. 

Sie hat sich daraufhin weit in der freien Natur verbreitet. Deshalb denken heute viele Menschen, dass es sich um ein einheimisches Gewächs handelt. Häufig finden wir sie an Bahndämmen, entlang von Strassenrändern und auf Schutthalden.


Verführerischer Duft
Die Nachtkerze gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Ihr Gattungsname „Oenothera“ besteht aus den griechischen Wörtern „oinos = Wein“ und „ther = wildes Tier“. Dies verdankt sie ihrem weinähnlichen Duft. Er soll die Menschen heiter stimmen und wilde Tiere besänftigen.
Da es sich um eine zweijährige Pflanze handelt, erhielt sie noch die Ergänzung „biennis“. Im ersten Jahr bildet sie nur eine am Boden aufliegende Blattrosette. Erst im zweiten Jahr wächst der bis zu 1,5 Meter hohe Stängel empor, der mit einer Pfahlwurzel fest im Boden verankert ist. Aus den prächtigen Blüten bilden sich schliesslich 3 cm lange, vierkantige Früchte mit etwa 200 Samen, aus denen fettes Öl gewonnen werden kann.

 

Hilfe für trockene Haut
Das fette Öl der Samen enthält einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Es ist vor allem reich an der Omega-6-Fettsäure Gamma-Linolensäure (GLA), deren Gehalt bis zu 10 Prozent betragen kann. 

Nachtkerzenöl wird daher sowohl innerlich als auch äusserlich bei trockener, entzündlicher Haut eingesetzt. 

Neurodermitis ist ein typisches Anwendungsgebiet: Denn bei dieser Erkrankung wird wegen eines Enzymdefekts ein Mangel an Gamma-Linolensäure vermutet. 

Was genau bewirkt Gamma-Linolensäure im Körper? Daraus können körpereigene Substanzen gebildet werden, die entzündliche Vorgänge zurückdrängen. Des Weiteren ist Gamma-Linolensäure ein Bestandteil von Zellmembranen. 

Und wie hoch ist die empfohlene Tagesdosis? Erwachsene nehmen täglich 4 bis 6 g Nachtkerzenöl ein.
Es ist auch bereits für Kinder geeignet: Im Alter von ein bis zwölf Jahren eignet sich eine tägliche Dosis von 2 bis 4 g Öl. 

Doch nicht vergessen: Es ist Durchhaltevermögen gefragt. 

Das Öl kann seine Wirkung erst nach einer regelmässigen Einnahme über einen längeren Zeitraum entfalten. Das Minimum sind acht Wochen, damit allmählich ein Erfolg spürbar wird. Unterstützend können Cremes mit dem wertvollen Öl verwendet werden.

 

Altes Indianerwissen
Bereits die alten Indianer auf dem nordamerikanischen Kontinent schätzten die Heilkraft der Nachtkerze. Bei Quetschungen und anderen Verletzungen bereiteten sie einen Brei zu. Des Weiteren wurde die Pflanze bei Magen- und Lungenbeschwerden verwendet.

Doch damit nicht genug: Es gibt Berichte, dass die Cherokee mit der heissen Wurzel Hämorrhoiden behandelten. Daneben spielte das gelbe Blütenwunder bei zeremoniellen Handlungen eine Rolle. Etwa bei den Zuni führten Jungfrauen die rituellen Tänze für Regen und gute Ernten auf. Dazu kauten sie die Blüten und rieben sich damit den Körper ein. 

Eine andere Verwendung hatten die jungen Frauen der Hopi-Indianer: Im heiratsfähigen Alter steckten sie sich die Blüten an Festtagen ins Haar.

 

Köstliche Gaumenfreuden

Etwas in Vergessenheit geraten ist die Verwendung der Nachtkerze in der Küche. Dazu werden die dicken, rübenförmigen Wurzeln im Herbst des ersten Jahres bis zum Frühling des zweiten Jahres ausgegraben. Blüht die Pflanze, werden die Wurzeln allerdings hart und sind nicht mehr schmackhaft. 

Für die Zubereitung wird die Wurzel in Essigwasser eingelegt, da sie sonst beim Schaben schleimig-klebrig wird. Dann am besten in Salzwasser kochen und anschliessend weiterverarbeiten. 

Wie wäre es mit einer herzhaften Gemüsepfanne mit Speck? Vermutlich hatten bereits die Indianer dieses gesunde Gemüse in ihrem Kochtopf.

 

Hautpflegeöl
Zutaten:
25 ml Mandelöl
25 ml Nachtkerzenöl
8 Tropfen ätherisches Zitronenöl
4 Tropfen ätherisches Orangenöl

Zubereitung:
Eine dunkle 50 ml Flasche zur Hälfte mit Mandelöl füllen und mit dem Nachtkerzenöl voll machen. Die ätherischen Öle für einen angenehmen, frischen Duft dazu tropfen. Abschliessend die Flasche gut verschliessen und mehrmals hin- und herschwenken, damit sich alles gut durchmischt.

Anwendung:
Diese Ölmischung eignet sich zur Pflege trockener Haut nach dem Duschen oder Baden. Am besten in die noch leicht feuchte Haut einmassieren.

Haltbarkeit:
Bis zum kürzesten Verfalldatum der fetten Öle.

 

Buchtipp

Blumen: Entdecken, kennen lernen, erforschen
Frank Hecker

Für Kinder: 6 - 11 Jahre
2010, 96 Seiten

Ulmer Verlag
ISBN: 978-3-8001-5827-0
Fr. 12.90

Cover:
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