"Es ist Gold wert, offen miteinander reden zu können"

Vitanews

Neu ist die Thurgauer Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP), alleinige Präsidentin von Dakomed, dem Dachverband der Komplementärmedizin. Dessen Anliegen sind die gleichen, wie sie auch vitaswiss, welche massgeblich an der Gründung von Dakomed beteiligt war, vertritt. Ein Gespräch über Eisenbahnen und über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit.

Nationalrätin und Präsidentin von Dakomed Edith Graf Litscher im Gespräch mit vitaswiss

Aufmerksam und kritisch. Immer aktiv in den Nationalratssitzungen

vitaswiss: Edith Graf-Litscher, im März dieses Jahres wollten Sie vom Bundesrat wissen, wie dieser die Alternativen zur Verschreibung von Antibiotika prüft. Dieser beantwortete die Frage mit dem Hinweis, dass er Projekte im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes «Antimikrobielle Resistenz» unterstütze. Auch Organisationen, die im komplementären Bereich tätig sind, wurden aufgefordert mitzumachen. Ist das geschehen?

Edith Graf-Litscher: Der Bundesrat hat mit dieser Antwort gezeigt, dass er die Komplementärmedizin ernst nimmt. Der Ball liegt nun aber bei Dakomed und der Union Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen (UNION).

vitaswiss: Seit 2010 waren Sie Co-Präsidentin von Dakomed, seit April nun Präsidentin. Was gab den Ausschlag für dieses langjährige Engagement?

E. G. L.: Vor acht Jahren erkrankte ich an Brustkrebs. Durch die Schulmedizin mit mehreren Chemotherapien und Bestrahlungen fühlte ich mich immer gut aufgehoben. Ich suchte jedoch eine komplementäre Begleitung, die mein Immunsystem stärken sollte. Diese fand ich in der Homöopathie und der Misteltherapie. Diese Erfahrung des gemeinsamen Wirkens bestärkte mich in meiner Arbeit für ein Miteinander von Schul- und Komplementärmedizin.

vitaswiss: Wo stehen die Anliegen der Komplementärmedizin in der Öffentlichkeit und in der Politik?

E. G. L.: Das deutliche Ergebnis der Volksabstimmung von 2009 zur «Zukunft der Komplementärmedizin» zeigt den Zuspruch der Bevölkerung gegenüber Alternativen. Interessant ist es zu sehen, dass die Akzeptanz bei Frauen mittleren Alters am grössten ist. Um dem Wildwuchs der verschiedenen AlternativheilerInnen und MedizinerInnen entgegenzuwirken, wurden vor Jahren Qualitätslabel wie das EMR oder ASCA gegründet.

vitaswiss: Neben Ihrer Arbeit im Nationalrat und bei Dakomed beschäftigt Sie eine ganze Anzahl von weiteren Tätigkeiten und Mitgliedschaften in diversen Verbänden und Stiftungen. Ganz ehrlich, haben Sie noch den Überblick?

E. G. L.: (Lacht) Ich habe Freude, etwas zu bewegen und damit verbunden an den Begegnungen mit den verschiedenen Menschen. Das gibt mir ein solides Fundament für meine politische Arbeit in Bern. Dies war mit ein Grund, wieso ich zu Dakomed gekommen bin. Hier kann ich Gesundheitspolitik machen, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. Grosses Glück habe ich auch, dass mein Mann Harry mich in allen Lebensphasen unterstützt. Es ist Gold wert, einen selbstständigen Partner zu haben.

vitaswiss: Der Umgangston in Bern ist ab und zu auch etwas ruppig. Wie grenzen Sie sich ab?

E. G. L.: Ich bin in einem Eisenbahnerquartier aufgewachsen. Mit meinem Beruf als Bahnbetriebsdisponentin habe ich einen Beruf gelernt, der in einer typischen Männer-Domäne zu Hause war. Da galt es auch, sich zu beweisen. Dort habe ich den Stellenwert der kollegialen Zusammenarbeit in gemischten Teams schätzen gelernt. Ausserdem herrschte bei uns zu Hause auch eine Kultur der Gleichberechtigung.

vitaswiss: Also waren alternative Heilmethoden und die Komplementärmedizin noch keine Themen?

E. G. L.: Doch, meine Mutter kannte so manches Hausmittel wie Wickel machen und bestimmte Tees. Als Kind war ich auch fasziniert vom schönen Bauerngarten meiner Grossmutter. Sie wusste Bescheid über jede Blume und jedes Kräutchen, welche dort wuchsen.

 

Die heute 54-jährige Edith Graf-Litscher wurde in Uster geboren. Sie machte eine Ausbildung zur Bahnbetriebsdisponentin bei der SBB. Mehrere Jahre war sie im Bereich Krankenkassen tätig. Zuerst im Verkauf, danach als Leiterin Service Center Ostschweiz der Atupri. Heute ist Edith Graf-Litscher Nationalrätin (TG), sie leitet die Verkehrskommission des Nationalrates, ist Präsidentin von Dakomed und engagiert sich in vielen Bereichen der Gesundheit und des Verkehrswesens. Sie ist verheiratet und lebt in Frauenfeld.

 

Dakomed: Der Dachverband Komplementärmedizin wurde am 30. Oktober 2009 gegründet. Er ist aus dem vormaligen Forum für Ganzheitsmedizin (ffg) und dem Abstimmungskomitee «Ja zur Zukunft mit Komplementärmedizin» hervorgegangen. Der Dachverband hat zum Ziel, die Kernforderungen der Abstimmung umzusetzen. Gründungsmitglieder sind Ärzte- und Therapeutenorganisationen, Spitäler, Schulen, Gesundheitsorganisationen, der Schweizerische Drogistenverband und der Heilmittel-Herstellerverband SVKH.

 

 

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