Lachend zu Gesundheit und Glück


Wer lange und von Herzen lacht, fühlt sich dabei im Normalfall nicht nur glücklich, sondern tut auch etwas für seine Gesundheit.

Sibylle Hunziker

Betrachtet man das Lachen als Körperreaktion, handelt es sich um eine besondere Atmungsbewegung, bei der in einem kontinuierlichen, tiefen Zug ein- und stossweise ausgeatmet wird. Weil man dabei die glatte (nicht bewusst gesteuerte) Muskulatur anregt, weiten sich die Bronchien aus, was zu einer verbesserten Durchlüftung der Lunge führt. Wer lacht, atmet intensiver; er stösst mehr CO2 aus und nimmt mehr Sauerstoff auf. Mit dem Lachen reichert sich drei- bis viermal mehr Sauerstoff im Blut an als im Ruhezustand. Und dadurch verbessert sich dann zum Beispiel auch die Aufmerksamkeit.

Selbstheilungskräfte gefördert
Nun lacht der Mensch nicht nur mit der Lunge, sondern mit dem ganzen Körper. So beschreibt Michael Titze, ein Pionier des therapeutischen Humors, wie sich das Lachen wellenförmig auf die gesamte Muskulatur auswirkt. Das reicht von den 17 Gesichtsmuskeln, die Augenbrauen, Nase und Mund in die richtigen Lachpositionen ziehen, bis zum Zwerchfell, das mit seiner rhythmischen Anspannung die Eingeweide "massiert" und so unter anderem die Darmtätigkeit anregt. Aber auch auf das Herz-Kreislaufsystem stellten Forscher positive Auswirkungen fest: So löst Lachen zwar zunächst eine Stressreaktion aus; nach wenigen Minuten geht dieser Lachstress aber in eine Entspannungsphase über. Die Muskulatur der Arterien entspannt sich, das Gefässvolumen nimmt zu, und so wird der Blutdruck schliesslich langfristig reduziert. Die Skelettmuskulatur wird ebenfalls zunächst angespannt und später dauerhaft entspannt. Das tut gut – und kann Schmerzen lindern, da viele Schmerzen mit einer anhaltenden Muskelspannung verbunden sind. Schon in den 20er- Jahren äusserten Ärzte die Vermutung, dass häufiges und regelmässiges Lachen die Widerstandskraft gegen Krankheiten fördert. Systematisch erforscht wird dieses weite Gebiet seit dem späten 20. Jahrhundert. Dabei stellte etwa der amerikanisch Neurologe William Fry in den 90er-Jahren fest, dass Stresshormone mit ausgiebigem Lachen abgebaut und die Produktion von Endorphinen ("Glückshormonen") gefördert wird, während andere Forscher noch Stunden nach einem Lachanfall mehr Immunstoffe in Blut und Speichel massen.

Lachen und Humor
In der neueren Forschung gibt es Hinweise, dass die vielen verschiedenen Arten des Lachens und Lächelns insbesondere längerfristig – also über den Moment des Lachanfalls hinaus – unterschiedlich wirken. So zeigte etwa die Arbeitsgruppe von Professor Willibald Ruch am Psychologischen Institut der Uni Zürich, dass sich nur das echte Lächeln der Freude längerfristig positiv auf die Schmerztoleranz auswirkt – im Gegensatz etwa zum Angst-Lächeln oder zum verächtlichen Grinsen. Lachen lässt sich denn auch nur teilweise von Humor trennen. Humor als "heitere Grundstimmung" hilft dem Menschen, seiner Umwelt und seinem eigenen Schicksal gelassener und offener zu begegnen. Weil das dem Menschen ganz besonders in Krisen und Krankheit hilft, wird in der Pflege seit einigen Jahren zunehmend mit Humor und Lachen gearbeitet – bekannt sind etwa die Spital-Clowns mancher Kinderabteilungen. Heute setzen sich Organisationen wie HumorCare Schweiz für die Förderung von Humor und Lachen in Therapie, Pflege und Beratung generell ein. Dabei betonen sie die Notwendigkeit ethischer Richtlinien für einen sorgfältigen Gebrauch von Humor – einen entsprechenden Standard hat etwa die Pflegewissenschafterin Iren Bischofberger im Austausch mit Leuten aus Forschung und Praxis entwickelt und in ihrem Buch "Das kann ja heiter werden – Humor und Lachen in der Pflege" publiziert. Denn nicht jedes Lachen tut automatisch allen Beteiligten gut.

Gutes Lachen, böses Lachen
Das Lächeln dient von Geburt an als Kontaktgebärde. Es fördert die soziale Interaktion, indem es beim Gegenüber meist ebenfalls ein Lächeln und die zugehörigen positiven Emotionen auslöst. Am häufigsten lacht der Mensch nicht über Witze, sondern auf ganz banale Bemerkungen hin – schlicht, um andere Menschen in ihrem Selbstwertgefühl zu bestätigen und so zum Beispiel eine positive Grundstimmung in einem Gespräch zu schaffen.
Neben diesem verbindenden Lachen mit anderen gibt es allerdings auch das ausschliessende Lachen über andere, das den Verlachten den Respekt verweigert. Das respektlose Lachen zeigt dann seine guten Seiten, wenn es dem Menschen hilft, sich von seinen eigenen festgefahrenen Vorstellungen, von Vorurteilen oder von Angst zu befreien. Hässlich und "kränkend" wird es, wenn schwächere Menschen oder Minderheiten ausgelacht und damit in ihrer Würde verletzt werden. Weil der Unterschied zwischen dem "Lachen mit" jemandem und "Lachen über" jemanden oft sehr klein ist und aufgrund kultureller sowie individueller Unterschiede auch nicht von allen Menschen gleich wahrgenommen wird, ist dieses Gebiet sehr heikel. Weniger Probleme bietet hier das "Yoga-Lachen" – das grundlose Lachen, das in Indien entwickelt wurde und mit zahlreichen Lachclubs und dem Weltlachtag (jeweils am ersten Sonntag im Mai) auch in Europa bekannt geworden ist.