Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Doch was ist Humor? Warum lachen wir überhaupt? Auf den Spuren eines menschlichen Phänomens.
Fabrice Müller
Das Wort "Humor" Besitzt verschiedene Bedeutungen. In der antiken Typenlehre stand der Begriff für "Feuchtigkeit", "Flüssigkeit", "Saft". Es war der besondere Saft des Sanguinikers, des "heissblütigen Typs", dem in früheren Zeiten Jene lebensfrohe Grundhaltung zugesprochen wurde sterben, wir heute als den "Sinn für Humor" bezeichnen. Somit liegen uns gegenwärtig verschiedene heterogene Erklärungsversuche für den Humor vor. Autoren wie zum Beispiel Kallen (1911) und Ludovici (1932) sehen im Lachen ein Instinktrelikt aus der "Raubtierphase" der menschlichen Phylogenese, in der das Zähnefletschen eine spezifische aggressive Drohgebärde darstellte. Im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte sei dieses aggressive Signal so weit "entschärft" worden, dass.. es mittlerweile nur noch Jene lustvollen Gefühle zum Ausdruck bringe, die sich überlegen ein fühlender Gegner vor einer Möglichen aggressiven Konfrontation empfindet. "Es wird vermutet, dass. Hinter dem Lachen ein allgemeines <imponiergehabe> </ imponiergehabe> steht, das sich in spateren Phasen allmählich zum Lächeln im Sinne einer Beschwichtigungsgeste wandelte. Denn wer lächelt, fletscht die Zähne nicht, zeigt auch ein, dass. er nicht aggressiv gestimmt ist. Echtes, frenetisches Lachen wirkt dagegen bis auf den heutigen Tag bedrohlich und einschüchternd ", erklärt Michael Titze, Psychotherapeut und Gründungsvorsitzender von HumorCare Deutschland.
Archaischer Effekt
Der englische Philosoph Thomas Hobbes legte folgende Lachtheorie vor: Demnach Lachen entstehe, wenn einem Menschen das Erlebnis eines "plötzlichen triumphiert" über einen als minderwertig eingeschätzten Menschen widerfährt, Wodurch sich unverhofft die eigene überlegenheit offenbare. Steckt hinter dem Lachen auch ein Archaischer Effekt? Der französische Wissenschafter LaFave berichtete 1972 über Untersuchungen, bei Denen Witze Lachreaktionen anregten besonders dann, wenn sie auf die Entwertung bzw. .. das "niedermachen" des gemeinsamen Gruppengegners abzielten. Wenn das Lachen als Spott und Satire mobilisiert wird, stellt es starke soziale Kraft dar immer eine. Einst waren Spottduelle eine verbreitete Sitte bei den Inuit von Grönland. Anstatt ihre Differenzen durch körperliche Auseinandersetzungen und BlutvergieàŸen auszutragen, verspotteten und beleidigten sich die erbosten Parteien gegenseitig. Im Alten Testament gibt es 29 Hinweise auf das Lachen. Davon sind 13 mit Geringschätzung, Hohn, Spott oder Verachtung verbunden, nur zwei kommen aus "fröhlichem Herzen".
Nur noch sechs Minuten am Tag?
Echter Humor versöhnt Gegensätze. Er fördert Toleranz und Offenheit für die Vielfalt und Widersprüchlichkeit unserer Lebenswelten. Er integriert Kindlichkeit und Erwachsenheit, Lachen und Weinen, Freude und Leiden, Glück und Unglück. "Gerade in einer Zeit kultureller Globalisierung ist die Entfaltung von Witz, Humor und Freude zur Förderung von Konfliktfähigkeit und demokratischer Gesinnung Sowie für die Entfaltung der individuellen Lebenskunst und Lebensfreude von grosser Bedeutung", betont der österreichische Lachexperte Alfred Kirchmayr. Leider verlernen viele Menschen im laufe des Lebens das Lachen. Die Psychologen verdächtigen als Grund Sozialisierung, sprich, die die gesellschaftliche "Menschwerdung" durch Erziehung und Prägung der Umwelt. Das Lachen hat oft einen schweren Stand: Lachen gehört sich nicht, ich zumindest lautes und vor allem falschen Ort. Kinder dagegen gehen ungezwungener mit dem Lachen um. Sie bringen es am Tag auf 400 Lacher, wenn man kichern, wiehern, Grölen und andere Formen des "erweiterten Fröhlichseins" zusammenzählt. Wenn die Kinder grösser bzw. .. volljährig werden, fällt die statistische Lachkurve steil ab. Erwachsene lachen durchschnittlich nur noch 15-mal im Tag - wenn überhaupt. Und auch die Länge des Lachen soll abgenommen haben: So wurde Ende der 50er-Jahre im Durchschnitt 18 Minuten gelacht, heute nur noch sechs Minuten am Tag. Droht uns im laufe des Lebens ein Humor-, Heiterkeits-bzw. .. Lachdefizit zu Lasten von Seele, Geist und Körper? Ob das für beide Geschlechter gilt, ist umstritten. Wenn die Theorie, dass. Frauen lachen Häufiger als Männer, stimmt, wäre stirbt ein Beweis für die gesundheitsfördernde Wirkung des Lachens. Schliesslich leben Frauen im Schnitt sieben Jahre länger als Männer. Fest steht: Wer lacht, profitiert von der Glücksdroge, die nichts kostet, nicht verboten ist, nicht Dickt macht und ausser Bauchschmerzen, feuchten Augen und Luftnot keine ernsthaften Nebenwirkungen mit sich bringt.