Das Scharbockskraut – Ein schmackhafter Frühlingsbote

Vitanews

„Gelb schien unterm Strauchgehege zu mir her das Scharbockskraut.“ – aus dem Gedicht Frühmärz von Jürgen Feger.

Vielleicht entdecken Sie die kleinen Blüten bei Ihrem nächsten Spaziergang in der freien Natur ebenfalls.

 

Das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) wird heutzutage nicht mehr als Heilkraut verwendet. Dennoch ist es eine wertvolle Pflanze, da sie eine der ersten, natürlichen Vitamin-C-Quellen im Frühjahr darstellt. 

Stärkung des Immunsystems

Heute bietet das Sortiment im Supermarkt das ganze Jahr eine grosse Auswahl an vitaminreichem Obst und Gemüse. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Früher mussten die Leute oftmals mit den eingelagerten Vorräten durch die kalte Jahreszeit kommen. Am Ende des Winters konnte dies auch schon einmal eine ziemlich karge Kost bedeuten. Da war das Scharbockskraut zu Beginn des Frühjahrs eine willkommene Ergänzung auf dem Speiseplan. Eine Untersuchung hat seinen hohen Vitamin-C-Gehalt bestätigt. Es konnte gezeigt werden, dass er in etwa dreimal so hoch ist wie im Kopfsalat. 

Schiff ahoi!

Im Gegensatz zu den meisten Tieren kann unser Körper kein Vitamin C selbst herstellen, sondern er ist auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Unterbleibt dies, kann sich die Vitamin-C-Mangelerkrankung Skorbut einstellen. Sie hat schon manchem Seefahrer das Leben gekostet. Denn auf hoher See war es früher schwierig, frisches Obst und Gemüse mitzunehmen. Ein leichter Vitamin-C-Mangel bewirkt eine schlechte Wundheilung. Des Weiteren werden wir anfälliger für Infekte und unsere Leistungsfähigkeit nimmt ab. Bei einem ausgeprägten Vitamin-C-Mangel kommt es schliesslich zu Blutungen der Haut, Schleimhäute, Muskulatur und inneren Organe. In extremen Fällen kann dies tatsächlich lebensbedrohlich sein. Erwähnenswert ist noch, dass Scharbock eine alte Bezeichnung von Skorbut ist. Davon leitet sich der deutsche Name des Scharbockskrauts ab. 

Eine wasserliebende Verwandtschaft

Das in Nord- und Mitteleuropa beheimatete Scharbockskraut gehört zu den Hahnenfussgewächsen (Ranunculaceae). Weitere bekannte Pflanzen dieser Familie sind:

  • Akelei, Rittersporn, Eisenhut, Leberblümchen, Buschwindröschen, Trollblume und Küchenschelle

Viele dieser Vertreter lieben nasse Standorte. Auch das Scharbockskraut mag feuchte Wiesen, Wälder, Gebüsche und Wegränder. Darüber hinaus bevorzugt es basen- und stickstoffsalzreiche Böden. 

Was blüht denn da?

Die gelben, sternförmigen Blüten bestehen in der Regel aus acht Kronblättern und haben einen Durchmesser von zwei bis drei Zentimeter. Nach milden Wintern beginnt die Blütezeit bereits Ende Februar, aber üblicherweise fängt sie erst Ende März an. Durch sein zeitiges Erscheinen im Frühjahr gehört dem Scharbockskraut das Sonnenlicht alleine. Aber sobald die anderen Pflanzen, Sträucher und Bäume ihre Blätter ausbilden, stellen sie das kleine Scharbockskraut regelrecht in den Schatten. Ab Ende Mai verabschiedet es sich schliesslich, indem es die oberirdischen Pflanzenteile in die Erde zurückzieht. 

Ein kleiner Vermehrungskünstler

Das Scharbockskraut kann sich auf verschiedene Weisen vermehren. Nach der Bestäubung durch Insekten und Bienen können manche Unterarten Samen bilden. Doch damit nicht genug. Es kann sich auch ungeschlechtlich fortpflanzen. Dazu bildet es Wurzelknöllchen, aus denen sich neue Pflänzchen entwickeln können. Ausserdem erscheinen sogenannte Brutknöllchen nach der Blüte in den Achseln der Blätter. Diese fallen letztendlich ab und es können daraus ebenfalls neue Ableger entstehen. Wegen ihres Aussehens werden die Brutknöllchen Himmelsgerste, himmlisches Manna oder Himmelsbrot genannt. In schlechten Zeiten wurden sie zusammen mit den Wurzelknollen getrocknet und zu Mehl vermahlen.

 Ein Wundermittel gegen Warzen?

Das Scharbockskraut speichert Reservestoffe, die es im Frühjahr nutzt, um frühzeitig auszutreiben. Sie befinden sich in den Wurzelknollen, die meistens eine keulenartig verdickte Form haben. Ihr Aussehen erinnert etwas an Feigwarzen. Deshalb wird die Pflanze im Volksmund auch Feigwurz genannt. Mit dem Saft aus den Wurzeln wurden früher in der Tat Warzen behandelt. Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Daten, die eine Wirksamkeit ausreichend bestätigen.

 Kulinarische Leckerbissen

Die rundlich-herzförmigen Blätter des Scharbockskrauts haben ein fleischig glänzendes Aussehen. Die Pflanze steht selten allein, sondern es werden oftmals grosse Blätterteppiche ausgebildet. Die Blätter haben einen pfeffrig scharfen Geschmack und sind knackig frisch. Daraus lassen sich leckere Wildkräutergerichte zubereiten. Es ist allerdings wichtig, dass Sie die Blätter nur vor der Blüte sammeln und auf einen Verzehr grosser Mengen verzichten. Denn nach dem Erscheinen der ersten Blüten wird in den Blättern der giftige Inhaltsstoff Protoanemonin verstärkt gebildet. Er kann zu Magen-Darmreizungen, Erbrechen, Krämpfen und Schwindelanfällen führen. Doch wenn Sie die Vorsichtsmassnahmen beachtet, steht einem kulinarischen Genuss nichts im Weg. Guten Appetit!

Kräuter-Rührei für 2 Personen

60 g Speckwürfel

1 kleingewürfelte Zwiebel

1 EL kleingehackte Scharbockskrautblätter (vor der Blüte geerntet)

3 EL Milch

4 Eier

Pfeffer, Salz

Öl zum Anbraten

Speck- und Zwiebelwürfel mit etwas Öl in einer Bratpfanne anbraten. Die Eier mit den Scharbockskrautblättern und der Milch verquirlen und gut würzen. Dann die Masse in die Bratpfanne giessen. Die Mischung ständig vorsichtig umrühren, bis sie gestockt ist. Servieren Sie das Kräuter-Rührei mit einem knackigen Salat und einem frischen Baguette.

Kräuterquark

1 EL kleingehackte Scharbockskrautblätter (vor der Blüte geerntet)

2 EL Schnittlauchröllchen

1 EL kleingehackte Basilikumblätter

250 g Magerquark

2 EL Milch

Salz, Pfeffer, Paprikagewürz edelsüss

Die kleingehackten Kräuter mit dem Quark und der Milch in einer kleinen Schale verrühren. Mit Salz, Pfeffer und dem Paprikagewürz nach Belieben würzen. Das ist ein leckerer Brotaufstrich oder passt auch gut zu Ofenkartoffeln.

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