Die Quitte – Eine fast vergessene Liebespflanze

Vitanews

Eine Redensart besagt: „Man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.“

Die Quittenfrüchte tanzen da ganz schön aus der Reihe,

denn sie haben sowohl mit Äpfeln als auch mit Birnen Ähnlichkeiten.

 

Heutzutage ist die Quitte etwas in Vergessenheit geraten, wohingegen sie früher sehr geschätzt wurde. So war sie bereits im Altertum bekannt und zählt zu den ältesten Kulturpflanzen. Eine griechische Sage berichtet, dass der erste Quittenbaum in der antiken Stadt Kydonia auf der Insel Kreta angepflanzt wurde.

 Daher stammt auch der Name „Apfel aus Kydon“, was sich in der wissenschaftlichen Bezeichnung „Cydonia oblonga“ widerspiegelt.

Angeblich war der Apfel, mit dem Paris die bezaubernde Aphrodite zur schönsten Göttin kürte, in Wirklichkeit eine Quitte. Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn diese Frucht als Symbol der Liebe und Fruchtbarkeit verehrt wurde.

Im 6. Jahrhundert vor Christus erliess der Athener Solon sogar ein Gesetz, demzufolge die Braut vor dem Eintritt in das Brautgemach eine Quitte essen musste. Das herb-saure Aroma sollte daran erinnern, dass es in der Ehe süsse und bittere Momente gibt.

Etwas später wurde die Quitte in einem Taschenbuch der Blumensprache aus dem Jahr 1843 unter dem Stichwort „Heirat“ aufgeführt. Tatsächlich drückte ein Mann im viktorianischen England seine ernsten Heiratsabsichten aus, indem er seiner Angebeteten eine Schachtel mit Quittensüssigkeiten schenkte.

Apfel oder Birne?

Aus botanischer Sicht gehört der bis zu acht Meter hohe Quittenbaum zu den Rosengewächsen (Rosaceae), womit er mit Erdbeere, Hagebutte und Weissdorn eng verwandt ist.

An seinen Ästen entspriessen breite eiförmige Blätter, deren Unterseite dicht behaart ist. Zwischen Mai und Juni verleihen ihm seine 5-zähligen Blüten ein weisses bis blassrosafarbenes Kleid. Im Herbst reifen schliesslich die leuchtend gelben Früchte heran.

Ihre Form ist ein Mittelding zwischen einem Apfel und einer Birne. Sie sind filzig behaart, doch dieser zarte Flaum lässt sich leicht abreiben. 

Seine Funktion: Er wehrt Schädlinge und schlechte Witterungseinflüssen ab. 

Darunter befindet sich eine Wachsschicht, und die Schale selbst ist fest und dick. Dies bietet einen guten Schutz vor dem Austrocknen, weshalb die Früchte nicht so leicht verderben. Sie können daher gut über einen längeren Zeitraum gelagert werden. 

Duftender Obstgenuss

Beissen Sie lieber nicht herzhaft in eine rohe Quitte. Im ungekochten Zustand ist sie nämlich meistens ungeniessbar, da das Fruchtfleisch sehr hart ist. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass sie über die Jahre etwas an Beliebtheit eingebüsst hat.

In südlichen Ländern gibt es allerdings verschiedene Sorten, die sogar roh essbar sind. Wie auch immer, auf jeden Fall verströmen die Früchte einen angenehmen Duft. 

Daher wurden sie früher zwischen die Wäsche oder in die Wohnstube gelegt, damit sich dort ein guter Wohlgeruch ausbreitete.

Und in der Küche wurden daraus verschiedene Gaumenfreuden wie Gelee, Marmelade oder Likör gezaubert. Sogar der berühmte Dichter Goethe schwärmte vom Quittenkonfekt seiner Mutter, das sie ihm bisweilen zuschickte.

Römisches Haarwunder

In der Heilkunde wurde die Quitte bereits von dem römischen Gelehrten Plinius der Ältere verehrt. Er berichtete von einer Rezeptur, um den Haarausfall zu bremsen – es ist allerdings fraglich, ob dies tatsächlich gewirkt hat. Belegt ist jedoch, dass die Früchte reichlich Vitamin C enthalten.

Daher war die Quitte bei den entdeckerfreudigen Seefahrern des 15. und 16. Jahrhunderts ein praktisches Mittel gegen die Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut.

Des Weiteren enthält der Saft aus den ganzen Früchten Gerbstoffe, die eine zusammenziehende, reizmildernde Wirkung haben. Er eignet sich somit bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

Und Quittenmus hilft aufgrund des hohen Pektingehalt‘s bei Durchfall: Dazu werden die Früchte geschält, entkernt und klein geschnitten. Die Stückchen werden in wenig Wasser weich gekocht und anschliessend püriert. 

Heilsamer Schleim

Sogar die Kerne besitzen Heilkräfte: Im getrockneten Zustand können sie wie Bonbons bei Halsschmerzen und Reizhusten gelutscht werden. Dadurch bildet sich eine schleimige Substanz, die die gereizten Schleimhäute beruhigt. 

Wichtig: Die Samen dürfen nicht zerkaut werden. Sie schmecken sonst sehr bitter, und es können kleinste Mengen von giftiger Blausäure freigesetzt werden. 

Früher war Quittenschleim (Mucilago Cydoniae) eine gängige Arznei. Dazu wird ein Teil Kerne mit acht Teilen Wasser übergossen und einige Zeit stehen gelassen, bis sich ein Schleim bildet. Äusserlich lindert er Sonnenbrand, wunde Brustwarzen und schlecht heilende Wunden.

Quittenauszüge werden daher auch als Schönheits-Elixier verwendet, um unsere Haut zu pflegen. 

Wir können uns also freuen, wenn die Quitte ein kleines Comeback feiert. Denn auch in unserer Zeit können wir zuweilen etwas Unterstützung in Liebesdingen oder bei Gesundheitsfragen gebrauchen. 

Quittenlikör

Zutaten:

2 Quitten

1 l Weinbrand

200 g brauner Kandiszucker

1 kleines Stück Ingwer

Saft einer Zitrone

Zubereitung:

Die Quitten werden geschält, entkernt und kleingehobelt. In einer Flasche werden die Fruchtstückchen, der kleingeraspelte Ingwer und der Zitronensaft mit dem Weinbrand übergossen, bis alles mit dem Alkohol bedeckt ist. Dieser Ansatz wird 2 Wochen lang stehen gelassen. Dann werden die festen Bestandteile mit einem Sieb abgetrennt. Zum Schluss wird nach Belieben mit dem Zucker gesüsst. 

Anwendung:

In der kalten Jahreszeit wärmt ein kleines Schnapsglas mit Quittenlikör.

 Tipp:

In einer schönen Flasche ist diese Köstlichkeit auch ein hervorragendes Geschenk. 

Haltbarkeit:

mindestens 1 Jahr

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