Stevia – bringt sie den weissen Zucker in Gefahr?

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Die Stevia stammt ursprünglich aus Paraguay und wird in Südamerika bereits seit Jahrhunderten als Süssungsmittel (Zuckerersatz) verwendet. Auch hierzulande ist Stevia seit einigen Jahren bekannt, aber ihre Anwendung noch umstritten. Früher hörte man sogar, Stevia sei verboten. Heute soll sie ein enormes Marktpotenzial haben. Ja was denn nun? Höchste Zeit, endlich Licht ins Dunkel zu bringen.

Von Stevia, dem Süsskraut, hat man in den letzten Jahren schon viel gehört. Eine Pflanze, über die man spricht, wird sie doch als „natürlicher Zuckerersatz“ angepriesen. Eigentlich eine Marktlücke, wie man meinen sollte. Warum wird diese Pflanze so stiefmütterlich behandelt?

 

Ungewohnt starke Süsskraft

 

Die Stevia rebaudiana Bertoni, wie der lateinische Name lautet, gehört zur Familie der Korbblütler, hat sattgrüne, leicht behaarte Blätter und weisse, kleine Blütchen. Zerkaut man ein Blatt im Mund, fällt einem sofort eine intensive, ja fast überrissene Süsse auf. Man ist es sich nicht gewohnt, etwas derart stark Süsses zu schmecken; Stevia süsst denn auch 10–30 Mal stärker als weisser Zucker (variiert je nach Gegend und Klima, wo die Pflanze wächst).

 

Wenn man von Stevia spricht, muss man zwischen zwei Dingen unterscheiden: einerseits zwischen der Steviapflanze (d.h. Kraut und Blätter) und den Steviol Glykosiden. Letztere werden in einem aufwändigen Verfahren aus der Steviapflanze gewonnen. Der so isolierte „Stevia-Extrakt“ wird Steviosid und Rebaudiosid A genannt. Dieser Süssstoff hat ungefähr die 400fache Süsskraft von weissem Zucker.

 

Stevia soll im Gegensatz zu raffiniertem Zucker und anderen Süssstoffen wie Aspartam, Saccharin, Cyclamat etc. gesundheitlich unbedenklich sein. Es hat keine Kalorien, greift die Zähne nicht an und ist für Diabetiker geeignet. Im Gegensatz zu Aspartam ist Stevia temperaturstabil und kann daher auch zum Backen und Kochen verwendet werden. Allerdings muss man sagen, dass Stevia als Süssungsmittel in Tees oder Gebäcken etwas gewöhnungsbedürftig ist und eindeutig anders als herkömmlicher Zucker schmeckt.

 

Die rechtliche Situation in der Schweiz und anderen Ländern

 

Eigentlich schlicht unvorstellbar, warum dieses Kraut den Eingang in unsere Nahrungsmittelindustrie erst langsam findet. Gemäss BAG würden die vorliegenden wissenschaftlichen Daten noch nicht ausreichen, die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Steviapflanze sei daher nicht vollständig erwiesen. Steviakraut darf somit noch nicht als Lebensmittel oder zur Süssung von Lebensmitteln vermarktet werden – mit Ausnahme von Kräutertees, die maximal 2% Steviablätter enthalten. Während Stevia in anderen Ländern wie z.B. Japan uneingeschränkt zugelassen ist, sind die EU-Behörden äusserst zurückhaltend; erst seit Mitte April 2011 ist die Vermarktung von Teemischungen mit Steviablättern auch in der EU erlaubt.

 

In der Schweiz herrscht jedoch seit Kurzem diesbezüglich eine etwas lockerere Praxis. Pulver aus Steviablättern und Stevia-Extrakt – wie auch die Pflanze selbst – sind auch in der Schweiz erhältlich. Das Bundesamt für Gesundheit BAG vergibt seit 2010 provisorische Bewilligungen, die es Herstellern erlauben, Produkte mit Stevia bzw. Steviol Glykosiden auf den Markt zu bringen. Dabei handelt es sich in der Regel um Lebensmittel und Getränke, die als kalorienreduziert oder zuckerfrei angepriesen und vermarktet werden: Ice Tea light, Erfrischungsgetränke, Kräuterbonbons, Knuspermüesli, Sirupe. Die vom BAG veröffentlichte Liste ist lang. Für viele Hersteller gilt die Schweiz daher als eine Art „Testmarkt“.

 

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